Kolpingsfamilie erzielt Spendenrekord bei Christbaumaktion

Die diesjährige 45. Weihnachtsbaumaktion der Kolpingfamilie in Oelde erzielte das beste Spendenergebnis seit Beginn der Aktion im Jahre 1972. Frau Annette Lakenbrink berichtete uns, dass ein Spendenbetrag von 8.000- € zusammengekommen ist.

Hier die Helfer, die in der Kerkbrede und Deipenweg waren

Der Spendenbetrag

Die Kolpingfamilie wird damit den Oelder Tisch und die Partner-Kolpingfamilie in Uganda unterstützen.

Die Christbaumaktion

Die Mitglieder der Kolpingfamilie treffen sich jedes Jahr nach Weihnachten, um ausgediente Christbäume einzusammeln. Diese werden von den Oelder Anwohnern üblicherweise an die Straße gestellt. Einige binden ein kleines Säckchen mit Geldinhalt daran fest, andere übergeben Spendengelder direkt den fleißigen Helfern.

Mit Traktoren, LkW´s und anderen brauchbaren Fahrzeugen, werden die gesammelten Tannen dann zum Osterfeuerplatz gefahren. Dort erleuchten die ausgedienten Tannen ein letztes Mal in einem Flammenmeer zu Ostern.

 

Einen Knochenjob

absolvieren die Helfer dabei jedes Jahr. Bei Regen, Schnee, Eis oder Kälte sammeln die vielen freiwilligen Helfer die Bäume ab den Morgenstunden bis in den frühen Abend ein. Selbst über Facebook kommunizieren die Helfer mit den Anwohnern, wenn noch irgendwo eine Tanne nicht abgeholt wurde.

Die Redaktion bedankt sich für 45 Jahre Einsatz.




Die Geschichte von »Kramers Mühle«

Kramers Mühle 1934

Kramers Mühle mit vorgelagerter Sägemühle im Jahre 1934. Hinter dem rechts im Anschnitt gezeigten Gebäude liegen das ehemalige Wohnhaus und spätere Restaurant. Foto: Archiv Robert Kramer, Luzern

Eine der vielen Attraktionen im Oelder Vier-Jahreszeiten-Park ist das gern besuchte Kindermuseum »Klipp Klapp«, das gleich neben »Kramers Mühle« liegt. Im historischen Teil der uralten Wassermühle schlüpfen die Kinder in die Rolle eines Müllers, mahlen mit echtem Getreide oder betätigen sich an der riesigen Spiel-Mühle und lernen den Weg vom Korn zum Mehl kennen.

Die aktuellen Fotos und das stimmungsvolle Video stammen von Torsten Schwichtenhövel, dem Rasenden Reporter des OELDER ANZEIGERS

Doch wer kennt schon die lange Geschichte der am rauschenden Bach gelegenen »Kramers Mühle«? Dem OELDER ANZEIGER gelang es, in Luzern (Schweiz) den ehemaligen Oelder Robert Kramer aufzuspüren, der alles über die Mühle weiß.

Mühlen zählen zu den ältesten Gewerbebetrieben in Oelde. Schon im Mittelalter wird eine »Fürstbischöfliche Mühle« erwähnt und alte Urkunden nennen 1591 den Mühlenteich, der damals zum Stift Essen gehörte. 1601 wurde ein neuer Lagerstein für die »öldische Mühle« benötigt. In diesen frühen Zeiten wurde die Mühle noch verpachtet.

Um 1776 stellte sich jedoch heraus, dass die Mühle nicht mehr vorteilhaft zu verpachten war. Der letzte Pächter, Joan David Cramer (frühere Schreibweise von »Kramer«), erwarb die Mühle in Erbpacht. Am 3. August 1852 kaufte die Familie Kramer vom preußischen Staat als Rechtsnachfolger des Bistums Münster das Anwesen. Gezahlt wurden 5.050 Reichsthaler, ein Aufgeld von weiteren 168 Reichsthalern und zehn Silbergroschen.

Auf Joan David Cramer, der am 06.02.1796 verstarb, folgten laut Robert Kramer:
Bernard Franz Cramer (1779 – 1858). Bernard Franz war übrigens der Vater von Dr. Franz Wilhelm Josef Cramer, des späteren Weihbischofs von Münster. (Ein Kirchenfenster in der St. Johanneskirche im Altarraum rechts zur Sakristei war ein Geschenk von ihm – versehen mit einer Widmung).
Gerhard Anton Cramer (1821 – 1904)
Bernhard Kramer (1858 – 1924)
Antonius Kramer (1902 – 1972)
Antonius Kramer bekam die Mühle erst nach Roberts Geburt anno 1936 von seiner Mutter überschrieben, damit die Nachfolge gesichert war. So streng waren damals die Bräuche.

Während der Kriegszeit wurde das Personal der Mühle für den »Endsieg« benötigt. Als Ersatz wurde der französische Kriegsgefangene Robert Balmont aus Doussard am Lac d´Annecy verpflichtet, in »Kramers Mühle« zu arbeiten. Das tat dieser wunderbare Mensch, der selbst in Frankreich im Departement Haute-Savoie eine eigene Mühle besaß, mit Fleiß und Zuverlässigkeit bis zum Kriegsende. Die Familie zollt ihm dafür Dank, und der Kontakt zur Familie Balmont ist bis heute nicht abgebrochen, erzählt Robert Kramer.

In der Nachkriegszeit gab es in der Stadt Oelde immerhin noch drei weitere Mühlen: Brand (später »Mühle Spinne«) an der Bultstrasse, Wöstmann an der Brede und Schlebrügge in der Warendorfer Straße.

In den 50er Jahren wurde der Betrieb einer eigenständigen Mühle jedoch sehr erschwert, da Großmühlen die Bäcker in der unmittelbaren Nachbarschaft günstiger beliefern konnten als die einheimischen Mühlen. Das Ergebnis zeigt es heute deutlich: Es gibt keine Mühle mehr in Oelde. Kramers mussten die Mühle schließen und versuchten sich in der Gastronomie. Es entstand gegenüber dem alten Mühlenhaus im historischen Wohnhaus der Familie das beliebte Restaurant »Kramers Mühle«, das älteren Oeldern noch gut erinnerlich ist und über Jahre einen guten Ruf genoss.

Zu den letzten Wirtsleuten von »Kramers Mühle« zählten Lilo und Robert Birkle. Er hatte zuvor im Bundestagsrestaurant Bad Godesberg gekocht und war in seiner Jugend als »Hammer von Essen« eine Box-Legende. Gegenüber, im alten Mühlenhaus, probten, als der Beat nach Oelde kam, lokale Bands wie »The Little Sharks«.

1996 führte ein Feuer zum Abriss des Gebäudes. Neben der gegenüberliegenden Mühle entstand das Kindermuseum »Klipp Klapp« im Vier-Jahreszeiten-Park Oelde. Mit Beginn der Landesgartenschau »Blütenzauber & Kinderträume« öffnete es erstmals 2001 seine Pforten und ist seither beliebter Anlaufpunkt für kleine Entdecker und Wissbegierige.

Wer erinnert sich noch an »Kramers Mühle«?

Der OELDER ANZEIGER freut sich über Kommentare, Zuschriften und Fotos. Vielen Dank!




Die Oelder „Gasfabrik“

Gaslampe in den Straßen von OeldeOelder Geschichten und Geschichte.

Eine Erinnerung von Heinz Werner Drees und Norbert Löbbert.

Herbst und Winter sind bekanntlich die dunklen Jahreszeiten, die Tage sind häufig endlos grau und die Sonne lässt sich selten sehen. Es wird früh dunkel.

Vor vielen Jahren, als ich die Schulbank drückte, sah meine Freizeit ungefähr so aus: nach der Schule nach Hause gehen, Mittagessen, danach die Hausaufgaben erledigen. Anschließend gab es je nach Jahreszeit Gelegenheit für Sport, Spiel und Spannung. Aber bevor ich in der dunklen Jahreszeit das Haus verließ, wurde ich ermahnend daran erinnert: wenn die Laternen angehen, dann kommst du nach Hause !

Ein Gasmann entzündet eine Lampe in den Straßen von Oelde

Das Gaswerk im Hintergrund während ein Mitarbeiter manuel die Lampen entzündet. Zeichnung von Norbert Löbbert

Damals wurden die Laternen noch mit Gas betrieben und mir ist in Erinnerung geblieben, dass nicht-funktionierende Laternen von einem Mitarbeiter der Oelder „Gasfabrik“ manuell entzündet wurden. Meistens kam in solchen Situationen der „Gasmann“ mit dem Fahrrad. Dabei hatte er eine lange Stange, an deren Ende eine Art Haken angebracht war. Mit diesem Haken konnte er oben an der Laterne einen Ring ziehen und schon erstrahlte die Lampe im hellen Gaslicht.

Wir Kinder hatten unsere Freude an den Gaslaternen und häufig wurden diese für verschiedene Wurf- und Kletterübungen benutzt.

Wer konnte die Laterne hinaufklettern und durch ziehen am Ring ausschalten?

Wer konnte im Winter mit einem gezielten Schneeballwurf die Laterne „auswerfen“?

Ein Gasmann in Oelde entzündet eine Lampe

Alle Zeichnungen zu dem Bericht stammen aus der Bleistiftspitze von Norbert Löbbert

Im Jahre 1905 erteilte der Kreis Beckum die Genehmigung zum Bau  einer „Gasfabrik“ in Oelde. Der Standort der Anlage lag am Anfang der Rhedaer Straße und bestand aus einem Wohnhaus für den Gasmeister, dem Ofenhaus, dem Apparatehaus und zwei weiteren Hallen. Dazu kam ein 800 Quadratmeter großer Gasbehälter. Im Jahre 1916 wurde ein weiterer Gasbehälter von 600 qm dazu gebaut. Mit einem weit verzweigten Rohrnetz wurden alle bebauten Straßen in der Stadt mit Gas versorgt.

Im Jahre 1965 wurde der Betrieb der „Gasfabrik“ eingestellt und anschließend wurde die Anlage abgebrochen.

In welchem Umfang der Boden am Betriebsgelände verseucht wurde und wie weit sich die Altlasten verbreitet haben, ist aus heutiger Sicht schwer zu klären. Es ist aber denkbar, dass Benzol, Teeröl, Säuren und andere Schadstoffe den Boden kontaminiert haben.

Das Rohrnetz und die Gasversorgung wurden von der damaligen VEW (Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen) übernommen. Heute leuchten die Straßenlaternen in Oelde elektrisch und werden von der EVO betrieben.




Gegen das Vergessen erinnern – jährliche Gedenkfeier anlässlich der „Reichsprogromnacht“ am 9. November

Heute berichtet ebenfalls Frau Christiane Glitscher-Krüger im OELDER ANZEIGER zum 70. Gedenktag der Reichspogromnacht. Dabei wird viel Hintergrundwissen vermittelt zu den damit verbundenen Oelder Juden damaliger Zeit und den Stolpersteinen.

Foto: Leeser

Bürgemeister Karl-Friedrich Knop, Christiane Glitscher-Krüger, Elisabeth Lewanschkowski, Doris Leeser, Person unbekannt. Foto: Leeser

Text von Christine Glitscher-Krüger

Seit es den Gedenkstein für die in der NS-Zeit deportierten und ermordeten jüdischen Mitbürger im Innenhof des Rathauses gibt, haben dort  einzelne Personen in Eigeninitiative Kerzen  am 9. November aufgestellt.

Zum 70. Gedenktag der Reichspogromnacht  2008 – „Reichskristallnacht“ wurde sie im Volksmund auch genannt – gestaltete der ökumenische Arbeitskreis „Wir Christen in Oelde“ eine besondere Feier am Standort der ehemaligen Synagoge neben der Volksbank in der Ruggestraße.

Gedenkstein

Der damalige Bürgermeister Helmut Predeick regte bei dieser Feier  an, einen Gedenkstein vor der ehemaligen Synagoge in der Ruggestraße ins Pflaster zu legen. Diese Anregung nahm der Ökumenische Kreis auf und initiierte die Verlegung der „Stolpersteine“ in Oelde und Stromberg in Zusammenarbeit mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig und der Stadt Oelde.

judenstern-zeichnung-torsten-schwichtenhoevelStolpersteine

Vor jedem Wohnhaus, in dem Juden gelebt hatten, wurden „Stolpersteine“ mit deren Namen, dem Deportationsort  und, so weit bekannt,  dem Todesdatum ins Pflaster eingelassen.

Hatte die NS-Propaganda das erklärte Ziel, Juden in Deutschland und ihre Namen ein für alle Mal auszulöschen, so versucht  der Ökumenische Kreis dagegen, das Andenken der ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Oelde in Erinnerung zu halten. So werden jedes Jahr alle 53 Namen bei einer Gedenkfeier im Rathausinnenhof  am Gedenkstein verlesen.

Jüdischer Friedhof in Oelde

Jüdischer Friedhof in Oelde
Foto: Heinz-Werner Drees

Einige Male wurden in einem Rundgang  die Stolpersteine aufgesucht und weiße Rosen auf ihnen niedergelegt. Ein anderes Mal ging der Weg zum Denkmal  für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege auf dem Friedhof, wo die Namen der deportierten und ermordeten Juden in Oelde  ebenfalls aufgeführt sind.

Nachforschungen

„Wir Christen in Oelde“ bemühte sich um  Nachforschungen über die einzelnen Schicksale und erhält immer noch viele Hinweise aus der Bevölkerung. Etliche ältere Menschen wenden sich auch jetzt noch an die Mitglieder und berichten über ihre Erlebnisse rund um die Reichspogromnacht.

Schulthema

In den letzten Jahren haben viele Schulklassen die „Stolpersteine“ aufgesucht. Am Thomas-Morus-Gymnasium schrieben zwei Oberstufenschülerinnen ihre Facharbeit im Fach Geschichte zu Schicksalen von Menschen, für die ein Stolperstein verlegt worden war. So ist sichergestellt, dass das Erinnern auch an die junge Generation weiter gegeben wird.

Gedenkblätter

Diese recherchierten Einzelschicksale hat der ökumenische Kreis  dem Geschichtsort „Villa ten Hompel“ in Münster zur Verfügung gestellt, wo sie in den „Gedenkblättern“ gesammelt  und ausgestellt werden. Jedes Jahr im Dezember werden dort neue Gedenkblätter hinzugefügt (Am 10. Dezember 1941 waren von dort aus die Juden aus dem Münsterland, auch aus Oelde, ins KZ Riga deportiert worden).

Auch in diesem Jahr hat der Kreis „Wir Christen in Oelde“ eine Gedenkfeier im Rathausinnenhof abgehalten. Viele waren gekommen, um sich gemeinsam zu erinnern und vor neuerlichem Faschismus und Rassismus zu warnen.




Neunter November 1938

judenstern-zeichnung-torsten-schwichtenhoevelAm 9. November 1938 kam es im gesamten Deutschen Reich zu massiven Ausschreitungen gegen jüdische Bürger und jüdische Einrichtungen. Angehörige von SS (Schutzstaffel) und SA (Sturmabteilung) zerstörten Wohnungen, Geschäfte, Gemeindehäuser und Synagogen. Bei diesen Ausschreitungen und Misshandlungen kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Die Hintergründe der Verfolgung waren der staatlich angeordnete Antisemitismus und Rassismus, die per Gesetz geforderte Arisierung und die vorgesehene Zwangsenteignung von jüdischem Eigentum. Damit sollte auch die deutsche Aufrüstung mitfinanziert werden.

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Die Zeichnung von Norbert Löbbert zeigt die alte Synagoge in Oelde, Ruggestraße 10

Übergriffe in Oelde

Auch in Oelde kam es zu organisierten Übergriffen. Die Synagoge auf der Ruggestraße wurde verwüstet, Geschäfte und Wohnungen ausgeräumt oder beschädigt. Die jüdische Bevölkerung in Oelde wurde verhöhnt, geschlagen und in Schutzhaft genommen.

Verantwortlich für diese Taten waren angeblich SA-Leute aus Ahlen, doch mit reger Beteiligung der Oelder Parteigenossen, darunter viele stadtbekannte Bürger.

Die Verfolgung der Juden endete im Holocaust und die Alliierten befreiten Deutschland im Mai 1945 vom nationalsozialistischen Terror.

Stolpersteine in Oelde

An die Übergriffe vom 09.11.1938 erinnern heute auch in Oelde eine Anzahl von Stolpersteinen, mit denen der Künstler Gunter Demnig europaweit an das Schicksal der verfolgten, deportierten und ermordeten Juden erinnern will.

2016-11-08-stolpersteine

Von diesen Stolpersteinen findet man viele in Oelde. Sie stehen dafür, dass an dieser Stelle Menschen lebten, die entweder im KZ ermordert wurden, deportierten oder die Flucht ergriffen. Foto Torsten Schwichtenhövel

Die Stolpersteine findet man unter anderen in Stadt Oelde in folgenden Straßen:

Jüdischer Friedhof in Oelde

Jüdischer Friedhof in Oelde
Foto: Heinz-Werner Drees

Lindenstraße 23

Lange Straße 45
Ruggestraße 2
Wallstraße 18

Auch Walter Tillmann erinnert mit seinem Buch „Ausgegrenzt-Anerkannt-Ausgelöscht“ an den Untergang der jüdischen Bevölkerung in Oelde.

Das Kriegsende und die Befreiung vom Nationalsozialismus war allerdings nicht das Ende dieser menschenverachtenden Ideologie. Die Liste der rechten Parteien in Deutschland nach 1945 ist lang, dazu gehören die Sozialistische Reichspartei, Nationaldemokratische Partei Deutschlands, die Republikaner und die Deutsche Volks-Union.

Die Gefahr, dass sich die Geschichte wiederholt, zeigt sich erneut.

Heute erleben wir wieder ein Erstarken von rechten Parolen und rechtsradikaler Gewalt. Menschen werden auf Grund ihrer Hautfarbe und Religion unter Generalverdacht gestellt. Asylbewerberheime gehen in Flammen auf. Wachsende Fremdenfeindlichkeit, offener Rassismus und eine gesteigerte Aggression gegenüber Menschen die eine andere Meinung haben, sind an der Tagesordnung. AfD, Pegida und selbst ernannte Wutbürger bedienen sich dabei eines Vokabulars, das an die Nazizeit erinnert. Begriffe wie völkisch, Altparteien und Lügenpresse sind nur einige Beispiele, die direkt aus dem „Völkischen Beobachter“ stammen könnten. (Der Völkische Beobachter war bis April 1945 das publizistische Parteiorgan der NSDAP.)

Sinne schärfen

So sollten uns die fürchterlichen Ereignisse vom 9. November 1938 nicht nur eine mahnende Erinnerung sein, sondern sie sollten auch unsere Sinne schärfen gegen Unrecht, Gewalt und Rassismus.

Am 16. November 2015 versammelten sich tausende Oelder zu einer Gegendemonstration einer Ausländerfeindlichen Gruppierung Foto: Torsten Schwichtenhövel

Am 16. November 2015 versammelten sich tausende Oelder zu einer Gegendemonstration einer Ausländerfeindlichen Gruppierung
Foto: Torsten Schwichtenhövel




Wie der Orient Express durch Oelde fuhr

Der Oelder Eisenbahnliebhaber Dirk Sindermann nimmt Sie heute mit zurück in die Zeit der großen Eisenbahn und berichtet über Kunst und Technik auf Schienen. Diese versuchte sich vor kurzem still und leise an Oelde vorbei zu schleichen.

Ein Hauch von Agatha Christie:

Am Samstag, den 04.06.2016, wehte für kurze Zeit ein Hauch von Agatha-Christie durch Oelde. Unter der schlichten bahninternen Zugnummer NF 13452 fuhr der original Orient-Express von Berlin nach Paris. Auf seinem Weg nach Westen nahm er die Route über Bielefeld und Hamm und kam somit  am Nachmittag auch über unsere Bahnstrecke. Da er von einer eher unauffälligen, modernen Drehstromlokomotive der Baureihe 120 gezogen wurde, erkannten Passanten vielleicht nur beim zweiten Blick die auch für Laien auffällig gestalteten Luxuswaggons.  Das rollende Luxushotel, das den Charme der 1920er Jahre verbreitet, bestand bei dieser Tour aus 16 Wagen. Neben den luxuriösen Schlafwagen führte er wie gewöhnlich mehrere Restaurant- und Barwagen mit.

2016-06-18-Orient Express (1)

Foto © Dirk Sindermann

Zur Geschichte des weltbekannten Express-Zuges:

Während der 1920er Jahre war er Inbegriff für Glanz und Glamour der oberen Zehntausend. Staatsmänner, Könige und Filmstars reisten im Orient-Express. Der „König der Züge“ inspirierte Regisseure, Schriftsteller (Mord im Orient-Express) und Komponisten. Nach einer bewegten Geschichte kam der legendäre Luxuszug erst 1982 durch die Initiative des englischen Unternehmers James B. Sherwood wieder zu seinem alten Glanz. Er schickte am 25. Mai 1982 einen detailgetreu renovierten Luxuszug mit der technischen Ausstattung des 20. Jahrhunderts auf Jungfernfahrt: den jetzt Venice-Simplon-Orient-Express genannten Zug.

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Foto © Dirk Sindermann

Leider ist es sehr selten, den „Train Bleue“ in Deutschland zu bestaunen. Laut Veranstalter ist es das erste Mal seit vier Jahren gewesen, dass er wieder nach Deutschland kam. Gut vernetzte Eisenbahnfreunde aus dem Münsterland und OWL hatten kurzfristig vom NF 13452 erfahren.

Dirk Sindermann fotografierte den Zug im Bereich des Geisterholzes in Oelde.

Hier noch eine Reportage vom Orient Express.




Löschzug Menninghausen vor dem Aus?

Der Löschzug Menninghausen mit Standort am Landhagen in Oelde steht vor der möglichen Auflösung. Ein Gutachten (beauftragt durch die Stadt Oelde) aus dem letzten Jahr soll ergeben haben, dass in Lette ein neues Gerätehaus gebaut werden müsste. Der ideale Standort soll hinter der WBV zwischen Lette und Oelde liegen.

Sollte dieses Gerätehaus errichtet werden, würde dies gleichzeitig das Ende für den Löschzug Menninghausen bedeuten laut Gutachten. Wir haben uns mit den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten des Löschzugs getroffen und haben die Stimmung eingefangen. (Siehe Ende des Berichts)

Eigentlich sollte während unseres Besuches die wöchentliche Übung der freiwilligen Feuerwehr-frauen und -männer des Löschzugs 3 stattfinden. Stattdessen war die gesamte Mannschaft im Besprechungsraum mit wahrlich langen Gesichtern versammelt. Grund der schlechten Stimmung war die Ungewissheit über die Zukunft des Löschzuges, berichtete uns Herr Buttermann.

Dirk Buttermann, Löschzugführer Menninghausen

Ernste Gesichter beim Löschtrupp

Irgendwo zwischen Lette und dem Landhagen soll lt. Gutachten ein geeigneter Standort für das Letter Gerätehaus sein. Quelle: Google Maps

Viele fürchteten, dass das neue Gerätehaus an den Standort Lette kommen würde und damit um den Fortbestand des 95-jährigen Löschzugs Menninghausen (Anmerkung der Redaktion: Am Samstag, den 11. Juni 2016, feierten sie diesen). Einige der Feuerwehrleute stehen dort bereits in der dritten Generation ihren Mann. Ein Marionettenspiel einer möglichen Personal-hin-und-her-Schieberei der freiwilligen Helfer stößt hier dermaßen bitter auf, dass die Kameraden, wenn es so kommen würde, kollektiv die Arbeit bei der Feuerwehr beenden würden. Somit wäre Oelde um 16 aktive Kameraden ärmer.

Es waren nicht alle Kameraden anwesend. Dies sollte jedoch eins der letzten Gruppenfotos darstellen.

Warum ein Ausstieg?

In dem Gespräch mit den Kameraden wurde uns schnell klar, dass es sich beim Löschzug Menninghausen nicht nur um eine Gruppe handelt, sondern eher um eine Familie. Die Art, wie untereinander gesprochen wird, zeugt von Vertrautheit.

Nach Umbau eines Fahrzeuginnenraums

Mit einem lachenden und einem traurigen Auge berichteten uns die Männer, wie sie selber Fahrzeuge reparierten oder speziell umbauten. Der Abbruch der Stimmung und die Quittierung des Dienstes könnte jedenfalls nachvollzogen werden. Jahrzehntelang wurde hier ehrenamtlich der Brandschutz betrieben.

Übungen am PkW

Stimmen der Kameraden

Würde gemäß dem Gutachten Menninghausen aufgelöst werden, würde der gesamte Löschzug auseinander gerissen werden, so Herr Buttermann. Ein Teil würde nach Lette gehen müssen und ein anderer Teil zur kommenden neuen Stadtwache.

Ein Kamerad wirft ein, dass wenn die Wache aus der Stadt zum neuen Standort an der Wiedenbrücker Straße zieht, die Personalstruktur nach Aussage des Gutachtens umverteilt werden müsste. Kollegen aus den Gebieten: Nienkamp, Overbergstraße, Westring, Stadtzentrum müssten gemäß des Gutachtens wahrscheinlich auf den Löschzug Ahmenhorst verteilt werden. Dies ist aktuell bei dem Gutachten überhaupt nicht berücksichtigt worden.

Die letzten Jahre ist es bisher immer so gewesen, dass wir hier am Standort Menninghausen mit 16 Aktiven die Arbeiten gut erledigt haben. Laut dem Gutachten sollten es nun aber 26 sein, um effektiv arbeiten zu können.

Würde im Vorfeld eine objektive Bereinigung der Wohnorte der Feuerwehrleute in Oelde stattfinden, würden bereits viel mehr Kameraden dem Standpunkt Menninghausen angehören, so eine Kameradin.

Ersthelferlehrgang

Ein anderer Feuerwehrmann legte am Beispiel der Anfahrt dar, wenn Kollegen auf den eventuellen neuen Standort in Lette verteilt werden, diese sehr wahrscheinlich mit überhöhter Geschwindigkeit erst nach Lette eilen müssen (womöglich noch am Brand vorbei), um dann von Lette wieder zurück nach Oelde zu fahren, um dort zu löschen.

An dem besagten Termin hofften die Kameraden/innen auf eine gute Lösung, damit der Löschzug  Menninghausen weiter bzw. oder komplett als Team bestehen bleiben kann.

Erst vor kurzem hat der Löschzug Menninghausen eindrucksvoll gezeigt, dass er innerhalb von 7 Minuten nach der Alarmierung bei dem Pkw-Brand in der Delpstraße noch vor der hauptamtlichen Feuerwehr vor Ort war.

Die Geschichte geht nich gut aus

Dirk Buttermann berichtete dem OELDER ANZEIGER am 13.06.2016 im Telefonat, wie er am selbigen Datum  zum Bürgermeister geladen wurde. Dieser hatte das besagte Gutachten zusammen mit dessen Ersteller noch einmal erörtert und Herrn Buttermann seinen klaren Standpunkt hierzu vermittelt.


Der Löschzugführer berichtete uns weiter, dass er gemeinsam mit den anderen Löschzugleitern in Oelde über das Gutachten informiert wurde. Der Bürgermeister stehe voll und ganz hinter diesem, so Buttermann.

Alle meine Einwände wurden nicht gehört, man konnte sagen was man wollte. Selbst die Einwände der anderen Löschzugführer prallten ab! Diese prangerten ebenfalls die dann nicht mehr haltbare Alarm- und Anrückeordnung an,

teilte uns Dirk Buttermann mit.

Hier der Löschtruppführer fröhlich vor der Nachricht am Gerätehaus

Somit steht für den Löschzug Menninghausen fest, dass es hier sich sehr wahrscheinlich nur noch um eine Formsache handelt, bis die Auflösung offiziell verkündet wird.




Oelder Geschichte und Geschichten

2016-05-15-Cafe Kunze außen

Eine Erinnerung von Heinz Werner Drees

„Café Kunze“

Wir alle kennen das Gefühl, dass die Welt sich vermeintlich immer schneller dreht.

Dabei geraten häufig Menschen, Orte und Begebenheiten in Vergessenheit, sie scheinen unbemerkt aus dem Gedächtnis zu fallen.

Einer dieser Orte ist das ehemalige Cafe Kunze!

Dazu fällt mir als Erstes ein Lied ein, das meine Großmutter gelegentlich trällerte: „In einer kleinen Konditorei, da saßen wir Zwei … .“. Ein Stück Musikgeschichte von Fred Raymond und Ernst Neubach aus dem Jahre 1929.

Oft wird daran vorbei gegangen, hier gibt es nun die Geschichte dazu

Oft wird daran vorbei gegangen, hier gibt es nun die Geschichte dazu.

Das Café Kunze auf der Langen Straße wurde von Gustav Kunze und seiner Frau Aenne betrieben.

Im Jahr 1947 übernahm der Neffe von Gustav Kunze, der Bäcker und Konditormeister Hugo Heitfeld, den Betrieb. Gemeinsam mit seiner Frau Ina führte er das Geschäft im Sinne von Gustav und Aenne Kunze weiter bis zur Schließung des Betriebes im Jahre 1985. Neben der Arbeit in der Backstube und im Cafe kümmerten sich Ina und Hugo Heitfeld um die Erziehung ihrer vier Kinder.

Viele ältere Oelder erinnern sich sicherlich gern an das kleine, aber urgemütliche Cafe Kunze. Während Hugo Heitfeld in seiner Backstube für Nachschub sorgte, betreute Ina Heitfeld mit ihrer souveränen, mütterlichen und herzlichen Art die Kunden im Laden und im Cafe.

2016-05-15-Cafe Kunze

I2016-05-15-Cafe Kunze Zeichnungm Laden gab es die verschiedensten Brötchen und Brotsorten- das Schwarzbrot war stadtbekannt- sowie leckeren Kuchen zum mitnehmen. Zudem ein kleines Sortiment von Artikeln für den täglichen Gebrauch.

Im Café wurden zu Kaffee oder Trinkschokolade herrliche Kuchen oder Tortenstücke gereicht.

Das Café Kunze mit seinen schmackhaften Speisen und Getränken und mit der gemütlichen Atmosphäre war über viele Jahre ein bekannter Treffpunkt in Oelde, bei jüngerem und älterem Publikum gleichermaßen beliebt.

Daran werden sich bestimmt auch viele ehemalige Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium und der Realschule erinnern, die so manche „Freistunde“ im Café Kunze ve

rbrachten.

Zeichnung: Norbert Löbbert

Fotos: H. Heitfeld

Situation von heute

Situation heute

 




Oelder Geschichte und Geschichten

Von „Ewigen Lampen“ und „Rosengärten“

Eine Geschichte von Heinz Werner Drees mit Bildern von Norbert Löbbert.

Meine erste Bekanntschaft mit einer Oelder Gaststätte hatte ich im zarten Alter von ungefähr vier Jahren. Mein Vater, der sonntags zum Frühschoppen ausging, nahm mich eines Tages an die Hand und sagte: Komm mit, ich gebe einen aus! Doch bevor wir das Haus verließen, wurde der Junge von Mutter und Großmutter sonntagsmäßig angekleidet und gekämmt. Mein Vater, wie immer am Sonntag, trug Anzug, Oberhemd und Schlips. Seine wenigen Haare waren ordentlich frisiert, sein Kinn nass rasiert und von einer leichten Pitralon-Wolke umhüllt.

Schon bald betraten wir gemeinsam eine Gaststätte in der Nachbarschaft. Der kleine Gast wurde auf einen Thekenschemel gesetzt und staunte die Welt an. Die Herren um mich herum tranken vorzugsweise Bier oder Pils, ich bekam einen Apfelsaft. Der gesamte Thekenraum war in eine gewaltige Qualmwolke gehüllt, bestehend aus Zigaretten-, Pfeifen- und Zigarrenrauch. Nachdem ich allen möglichen Leuten nach Art der Erwachsenen freudig zugeprostet hatte, bekam ich von einem Bekannten meines Vaters zehn Pfennige geschenkt. Das Geldstück verschwand schon bald im Geldschlitz eines Automaten, der mir wie ein Wunder vorkam. Geld einwerfen,  kräftig drehen und schon war die Kinderhand voll mit gesalzenen Erdnüssen. Herrlich !

Mit der Zeit erfuhr ich dann, dass es allein auf dieser Straße vier „Kneipen“ gab. Vorneweg die Gaststätte Feldmeier, später war dort ein Imbissbetrieb, oder auch die berühmte KAKO-BAR. Gegenüber der Lindenhof mit einer wunderschönen Terrasse im Garten. An Sommerabenden funkelten dort bunte Laternen, Kellner huschten hin und her und zur Tanzmusik drehten sich die Paare im Kreis. Schräg gegenüber vom Lindenhof befand sich der „Blaue Täuber„, ein Vereinslokal für Sportler und auch Treffpunkt für die zahlreichen Taubenfreunde, eine Gaststätte mit einem angegliederten Saal, in dem Kasperletheater und viele Jahre später auch Beatmusik gespielt wurde. Im Oelder Sagenschatz gibt es auch die Anekdote über den „angesäuselten“ Herrn, der die Strecke vom Blauen Täuber zum Lindenhof, oder auch umgekehrt, mit dem Taxi bewältigte! Oder auch die Geschichte vom Oelder Schrotthändler, der mit Pferd und Wagen durch Oelde rumpelte und wo das Pferd angeblich genau wusste, an welcher Gaststätte es anzuhalten hatte!

Und am Ende der Straße gab es noch die Gaststätte Bentler, eine Mischung aus Kneipe und Lebensmittelgeschäft. Gut erreichbar war der Hintereingang der Gaststätte über das „Gängsken“, einem kleinen von Gärten und Hecken umsäumten Fußweg zwischen Bult- und Lindenstrasse.

Auf dem Moped Jochen Köning auch Oese genannt. Im Fenster sieht man Werner Hövel

Insgesamt gab es in der Stadt eine  hohe Kneipendichte, so dass mehrere Gaststätten auf einer Straße keine Seltenheit waren. So zum Beispiel  auf der Ruggestrasse: dort befand sich auch die ehrwürdige „Ewige Lampe“. Ein älterer Oelder Bürger erzählte mir, dass  diese Gaststätte so hieß, weil dort immer geöffnet war. Ein interessanter Gedanke, ein Leben ohne Sperrstunde. Niemand muss verdursten! Ich bin mir allerdings sicher, dass diese Sperrstunden immer wieder kontrolliert wurden, aber ich bin mir ebenso sicher, dass es viele „zugekniffene“ Augen gab.

Es gab zahlreiche Nachbarschafts-, Eck- oder Arbeiterkneipen, wo sich die Leute nach Feierabend trafen, um sich bei einem „Kluck“ und Bier von der Arbeit zu erholen. Zur Stärkung der Gäste wurden auch überall leckere Speisen angeboten. Ob Mettbrötchen, selbst gemachte Frikadellen, Wurstbrötchen, Suppen, Bockwurst, Kartoffelsalat: die angebotenen Speisen waren immer willkommen, lecker und häufig schnell ausverkauft.

Die Gaststätten waren immer gut besucht und besonders am Freitag  füllten sie sich schnell und regelmäßig. Das Wochenende nahte und viele Arbeitnehmer bekamen ihre wöchentliche Lohntüte ausgehändigt. Viele Männer gingen – statt nach Hause – direkt ins Gasthaus. Zum Lohntütenball! Nicht selten erwarteten die Ehefrauen ihre Männer an den Werktoren oder Kinder wurden in die Gaststätten geschickt, um den Vater mit der noch gefüllten Lohntüte nach Hause zu holen.

Auch für die Unterhaltung der Gäste wurde gesorgt, so stand fast in allen Kneipen eine Musikbox. Darin wurden – nach Einwurf von Geldstücken – Schallplatten abgespielt. Über eine Liste wurde die gewünschte Musik ausgesucht, angewählt und schon ging es los.

Knobelbecher gab es eigentlich an allen Theken, dort wurde mit „Meier“ und „Chicago“ so manche Runde ausgeknobelt. Beliebt waren auch das Kegeln und das Kickern. Später kamen dann Billardtische dazu oder die herrlich blinkenden und fiependen Flipperautomaten.

In manchen Gasthäusern bildeten sich Sparclubs: alle Mitglieder zahlten regelmäßig ihren Beitrag ein, dann wurde der Betrag meistens um die Weihnachtszeit bei einem Sparfest ausgezahlt.

Beliebt waren auch die gelegentlich stattfindenden Brauereibesichtigungen. Dazu luden die Wirte ein und ganze Busladungen wurden zu den umliegenden Brauereien gekarrt. Nach einer Betriebsbesichtigung erfolgte dann der von Vielen schon erwartete gemütliche Teil.

Natürlich gab es in unserer Stadt auch die „feineren“ Adressen. Hotels, wie das ehemalige Bahnhofhotel oder Gaststätten, in denen sich die Honoratioren der Stadt trafen. Dort fanden häufig Empfänge, Tanzveranstaltungen oder Feiern statt. Das Oelder Bahnhofhotel war in den fünfziger und sechziger Jahren das gastgebende Hotel für die alljährlich stattfindende Diplomatenjagd. Mit der Anwesenheit des Bundespräsidenten und seinem Gefolge schnupperte die Stadt für kurze Zeit am Duft der großen weiten Welt.

Die Sharks von links: Erich Lobemeier, Peter Lobemeier, Burkhardt Heringhof † (auch Haifisch genannt) und Uli Remfert Foto: © Peter Lobemeier

2014-11-02-Sharks copyEtwas außerhalb der Kernstadt lagen die Gasthöfe Düding und Kramer’s Mühle. Gegenüber letzterer Gaststätte, am Rande des ehemaligen Stadtparks, stand seit Jahrhunderten die Wassermühle, deren Mühlräder vom Axtbach und vom Mühlenteich mit Wasser versorgt wurden. In der Gaststätte waren in den sechziger Jahren die Wirtsleute Lilo und Robert zu Hause. Durch die gemütliche Atmosphäre und die Freundlichkeit der Gastgeber war der Schankraum immer gut gefüllt. In der ehemaligen Wassermühle probte damals die über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Band LITTLE SHARKS. Die Musiker, mit ihren zahlreichen Freunden und Bekannten der Band und viele Schüler der Oelder Technikerschule waren häufig Gäste in Kramer’s Mühle.

Ganz besonders an den Sonntagen, zu Kaffee und Kuchen, zogen viele Oelder in die umliegenden Gasthöfe, zu Niehüser, Thüer’s, Eck-Willm oder in den Gasthof Dämmer.

Ende der sechziger Jahre kündigte sich eine neue Zeit an ! Die Disco-Welle rollte an und auch in Oelde eröffnete im Jahre 1968 die unweit vom Marktplatz und Johannes-Kirche gelegene Discothek MERANCHITO.

Nette Damen hinter der Theke

Leute treffen, laute Musik hören, tanzen, eine spezielle Beleuchtung: der Laden war ein echter Knüller. Legendär waren im MERANCHITO die Pils-Stunden. Dann wurde für die Dauer einer Stunde der Bierpreis gesenkt, was immer für eine gehobene Stimmung und Massenbestellungen sorgte.

Im Norden der Stadt, am Plümmerskotten, betrieb die Familie Strauhal viele Jahre lang die Gaststätte Rosengarten. Der Schankraum und die nebenan gelegene Haifisch-Bar waren immer gut besucht, im Rosengarten ging es hoch her. Im saalähnlichen Raum neben der Theke fanden ab Ende der sechziger Jahre regelmäßig am Wochenende Disco-Abende statt. Detlef und Wolfgang Strauhal präsentierten dort den SUNDAY-CLUB.  Mit viel Musik, bunten Lichtern und Tanz wurde eine tolle Disco-Atmosphäre geschaffen, wo sich dann zu später Stunde das Publikum aus Kneipe und Disco vermischte.

Abseits dieser Schilderungen gab es natürlich weitere Gaststätten, Bars und Nachtlokale.

Und es gab unsere damaligen Jugend-Treffpunkte im Kupfergrill, Hahnenteller oder in Stucki’s Imbissbude.

Text: Heinz Werner Drees

Zeichnungen: Norbert Löbbert

Fotos: Heinz Werner Drees




Oelder Geschichte und Geschichten

2015-06-25-Boxer gemaltEine Erinnerung an den BSK 52 Oelde

Ring frei! Von Heinz Werner Drees und Norbert Löbbert.

Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.

Das sagte einst Kurt Tucholsky und diese „Einsicht“ müssen ganz besonders die Boxer für sich in Anspruch nehmen.

Wenn ich ans Boxen denke, dann fallen mir ganz spontan eine Reihe von Namen ein. Internationale Namen wie Archie Moore, Joe Louis, Georg Foreman. Floyd Petterson, Joe Frazier, Mike Tyson, Muhammad Ali und die Klitschko-Brüder. Auf der nationalen Ebene denke ich an Boxer wie Max Schmeling, Gustav „Bubi“ Scholz, Erich Schöppner, Peter Hussing, Heinz Neuhaus, Karl Mildenberger, Henry Maske und Peter „de Aap“ Müller.

Gleichzeitig erinnere ich mich an zahlreiche legendäre Boxkämpfe, wenn wir uns den Wecker stellten, um nachts vor dem Fernseher dabei zu sein. An die Kämpfe Ali gegen Foreman -rumble in the jungle- 1974 in Kinshasa / Kongo. Oder an Ali’s Kampf gegen „Smokin“ Joe Frazier im September 1975 in Manila. Frazier’s Trainer stoppte das Duell in der 14. Runde, beide Kontrahenten mussten verletzt und schwer gezeichnet ins Hospital eingeliefert werden.

Ähnlich spektakulär waren viele Jahre vorher die Kämpfe von Max Schmeling und Joe Louis, bei denen ebenfalls zahlreiche Hörer vor den Radios saßen.

Ein ganz besonderes Exemplar von einem Boxer war der Kölner Peter ,,de Aap“ Müller. Der war nicht nur mehrfacher Deutscher Meister, er wurde auch dadurch berühmt, dass er im Juni 1952 den Ringrichter, der ihn zuvor ermahnt hatte, mit einem gezielten Schlag ausknockte. Volltreffer !

Da habe ich ihn ausgemacht.

kommentierte ,,de Aap“  seinen Angriff auf den Ringrichter. Nach seiner Boxkarriere versuchte sich Müller als Catcher und Schlagersänger (Ring frei zur ersten Runde).

Aber abseits aller großen Namen und Legenden im Profiboxen, gab es in Oelde über Jahre hin eine erfolgreiche Amateur-Boxgeschichte.

2015-06-25-Boxen Gruppe

Die Boxer aus Oelde

Erfolgreiche Geschichten fangen oft ganz klein an. So war es auch Ende der 40er Jahre in Oelde, als sich interessierte junge Männer zum Boxtraining trafen. Die Freude am Boxsport und an der körperlichen Bewegung brachte die jungen Leute zusammen. Fleißig trainiert wurde in der Turnhalle der ehemaligen Overberg-Schule. Die Schlagkraft an den Sandsäcken, die Schnelligkeit an der Maisbirne, Kondition durch Seilchenspringen und taktisches Verhalten wurde unter den wachsamen Augen der Trainer immer wieder geübt. Ein Trainer der ersten Stunde war der Ahlener Franz Schulte. Durch das große Interesse am Boxsport wurde im Jahre 1952 der Box Sport Klub Oelde gegründet (BSK 52 Oelde). Männer wie Norbert Koker, Lothar Urban und Hermann Dezius prägten den Verein in den Anfangsjahren.

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Links: Beckermeister Nelke, Hanni Lewanschkowski, Peter Lewanschkowski und Georg. Die korrekten Vornamen oder Nachnamen sind uns leider nicht mehr bekannt.

Geboxt wurde gegen Gegner im Großraum Dortmund, zu dem damals auch der bekannte MÄRKISCHE BOXRING HAMM gehörte. Dort boxten auch die berühmten Johannpeter-Brüder, zehn Stück an der Zahl! Eine wahrhaft schlagkräftige Familie !

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Peter Lewanschkowski schlägt zu und Heinz Dombrowski (Pommesbude Scholmann) kassiert

In Oelde wurde meistens vor vollem Haus in der Overberg-Turnhalle oder im ehemaligen Kolpinghaus (heute Bürgerhaus) gekämpft. Gelegentlich fanden auch Boxveranstaltungen am Vorabend des Schützenfestes im Zelt statt oder als Open-Air Veranstaltung auf der ehemaligen Moorwiese.

2015-06-25-Boxen Gruppe im Ring

Boxen im Schützenzelt

Über Jahre hinweg haben verschiedene Boxer, Junioren und Senioren, auf Verbandsebene immer wieder erfolgreich geboxt, so dass Oelde durch den BSK 52 auch auf dieser sportlichen Landkarte zu finden war.

Jahre später veränderte sich die Situation für den BSK 52, einige Sportler beendeten ihre Laufbahn, ein vernünftiger Austragungsort fehlte, es war keine gute Zeit mehr für den Amateurboxsport in Oelde. Das Vereinsleben wurde eingestellt.

2015-06-25-Boxen Ausweis Startseite 2015-06-25-Boxen Ausweis Kämpfe

Der Oelder Boxsport ist untrennbar mit dem Namen Lewanschkowski verbunden. Die Brüder Lewanschkowski sind viele Jahre für den BSK 52 angetreten und haben bei zahlreichen Kämpfen im Ring oder als Sekundanten am Ring gestanden.

Unser persönlicher Dank gilt Peter Lewanschkowski, der sein Privatarchiv öffnete und damit einige Spuren des fast vergessenen Boxsports in Oelde sichtbar machte.

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Heinz Werner Drees & Norbert Löbbert

Alle Fotos @ Peter Lewanschkowski