Oelde und »Boss« Helmut Rahn

helmut_rahnIm Schatzkästchen der Oelder Geschichten findet sich so manche Anekdote. Sei es die Geschichte von Hermann Hilger, dem fahrlässigen Kupferschmied, der es Anno 1908 so laut krachen ließ, daß die Staatsmacht auf ihn aufmerksam wurde.

Dazu gehören sicherlich auch die berühmten Oelder Diplomatenjagden, wo „Pappa“ Heuss und später der schon etwas schrullig gewordene Heinrich Lübke, die Büchsen knallen ließen. Heinrich Lübke spendierte dazu den vor dem Oelder Bahnhofshotel angetretenen Schülern nach Absingen der Jagdhymne: „Auf, auf zum fröhlichen Jagen“ einen schulfreien Tag.

Oder sei es das übersteigerte Selbstbewusstsein einiger Oelder Bürger, was sich in dem Ausspruch: „Oelde, Paris und London“ dokumentiert. Interessant ist dabei die Reihenfolge: Angetrieben durch den Oelder Wind steht unser beschauliches Städtchen immer an erster Stelle. Und natürlich gehört Helmut „Boss“ Rahn dazu!

Am 4 Juli 1954 berichtete Radioreporter Herbert Zimmermann vom Endspiel der Fußballweltmeisterschaft aus dem Berner Wankdorf- Stadion. Das Radio war damals das Lagerfeuer der Nation und so saßen und standen auch zahlreiche Oelder vor den Empfängern. Wenige Minuten vor Spielende fielen dann die legendären Worte Zimmermanns: „Tor, Tor, Tor! Tor für Deutschland!“ – Der Torschütze zum Siegtreffer 3:2 war Helmut „Boss“ Rahn (kleines Foto).

Wenige Minuten später stand dann fest, was niemand zu hoffen gewagt hatte: Deutschland war Fußballweltmeister 1954. Damit war gleichzeitig der Mythos der „Helden von Bern“ geboren. Das damalige Endspiel bestritten folgende Spieler: Turek, Posipal, Kohlmeyer, Eckel , Liebrich, Mai, Rahn, Morlock, O.Walter, F. Walter und Schäfer.

Während der Reportage bezeichnete Herbert Zimmermann im Überschwang seiner Gefühle den deutschen Torwart Toni Turek als: Turek, Du bist ein Fußballgott!! Für diese Aussage musste sich Herbert Zimmermann kurze Zeit später, auf Drängen des Bankiers, CDU-Politikers und Adenauer-Beraters Robert Pferdmenges öffentlich entschuldigen.

In den Jahre 1949/1950, einige Jahren vor der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz, hat „Boss“ Rahn seine Fußballschuhe für den Sport-Club Oelde 09 (SCO) geschnürt und ist deshalb ein Teil der Oelder Geschichte und Geschichten. In der Nähe seiner ehemaligen Wirkungsstätte, der Moorwiese, ist die Helmut-Rahn-Straße nach dem „Boss“ benannt.

Heinz Werner Drees

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2 thoughts on “Oelde und »Boss« Helmut Rahn

  1. Eine schöne Erinnerung – auch an die eigene Kindheit. Die Weltmeisterschaft selbst 1954 ist mir aus eigener Anschauung nicht mehr in Erinnerung. Aber noch viele Jahre später konnte man das freudige Ereignis in den Kinos – vor dem Hauptfilm in der Wochenschau – immer wieder sehen.

    Unvergessen in den Folgejahren war der Schlachtruf „Rahn, ran!“ in den Stadien, wenn Helmut Rahn sich auf das gegnerische Tor zubewegte.

    Der Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 war auch Balsam auf die Seele von Nachkriegsdeutschland.

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