Wagners »Ring des Nibelungen« in Oelde

Wer bislang einen Riesenbogen um Richard Wagners verwirrend-pompöse Oper »Der Ring des Nibelungen« gemacht hat, kann sich jetzt bei freiem Eintritt im Kultursalon Wiegelmann davon überzeugen, was es wirklich mit diesem Gesamtkunstwerk auf sich hat.

Am Freitag, dem 17. November um 19.30 Uhr erzählt und übersetzt Opern-Kenner Ruprecht Frieling die monumentale, ergreifende und bodenlos tiefe Geschichte vom »Ring« als spannendsten Krimi der Opernwelt.

Ruprecht Frieling, aufgewachsen in Oelde und wohnhaft in Berlin, ist Verfasser mehrerer Wagner-Opern(ver)führer. Seine eigene Produktion des »Ring des Nibelungen« wurde mit dem Bestenpreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. 

Ruprecht Frieling © Malte Klauck

Basierend auf Wagners Original-Libretto erzählt Frieling an dem Abend im Kultursalon die mystische Handlung destilliert und völlig neuartig. Der Autor geht dabei wie der Schöpfer der Oper vor, er präsentiert die vier Teile des insgesamt rund dreizehnstündigen Bühnenfestspiels: »Das Rheingold«, »Die Walküre«, »Siegfried« und schließlich »Götterdämmerung«.

Ildefons Klein • Foto: privat

Der Oelder Pianist und Musikpädagoge Ildefons Klein spielt dazu am Klavier eigene Transkriptionen der Wagner-Stücke, die an dem Abend zur Uraufführung kommen.

Klein ist als Musik- und Religionslehrer am Einstein-Gymnasium in Rheda-Wiedenbrück tätig. Neben dieser Haupttätigkeit tritt er als Chorleiter sowie als Musikkabarettist u.a. mit Chansons von Georg Kreisler auf.

Die Redaktion von Kulturstrom schreibt über den Abend: »Das, was auf der Bühne so bedeutungsschwer, ehrfurchteinflößend und gewaltig daherkommt, wird durch Frieling zum köstlichen und unterhaltsamen Event.« Und der Sender ARTE urteilt: »Die komplexe und für Laien oft verwirrende Handlung der Wagner-Opern wird plötzlich ganz logisch.«

  • Wann? Freitag, 17.11.2017, 19.30 Uhr
  • Wo? Kultursalon Haus Wiegelmann, Grüner Weg 41/Ecke Steinstraße
  • Karten? Platzreservierungen im Lottogeschäft Schreiber, Bahnhofstr., Tel 02522-901576.
  • Der Eintritt ist frei. Nach der Veranstaltung ist eine freiwillige Spende willkommen.

 




Weltberühmte Regensburger Domspatzen in Oelde

Der älteste Jugendchor der Welt ist mehr als 1000 Jahre alt. Die weitgereisten Regensburger Domspatzen, die am 23.10. in Oelde (20 Uhr in der St. Johannes-Pfarrkirche) und am 21. Oktober um 20 Uhr in Drensteinfurt in der St. Regina-Kirche ihre Stimmen erschallen lassen, sind weltberühmt und vielfach geehrt. Dem im Jahr 975 vom damaligen Bischof gegründeten Chor der REGENSBURGER DOMSPATZEN wurde 2002 der Titel „Kultureller Botschafter von Europa“ verliehen. Durch die Teilnahme am UNICEF-Wettbewerb wurden sie auch Juniorbotschafter für Kinderrechte.

Fotos: Wolfgang Töpfer, Five Star Event

1910 machte der Chor seine erste Auslandsreise. Seitdem haben sich die Jungen mit den unvergleichlich schönen glockenreinen Stimmen auf den Bühnen und in unzähligen Kirchen Weltberühmtheit ersungen. Mit eigenem Bus sind sie in Europa unterwegs. Große Konzertreisen führten sie schon nach Kanada, Japan, Hongkong, Korea, Philippinen, USA und viele andere außereuropäische Länder.

Jahrelang wurde der Chor von Georg Ratzinger, dem Bruder des Papstes Benedikt, geleitet. Ihr Repertoire an geistlicher und weltlicher Musik ist umfangreich. Die ausgewogene Mischung von Gregorianischen Chorälen bis zur Musik unserer Tage macht ihre Auftritte so einmalig, erlebenswert und unvergesslich.

Leider ist es dem weltberühmten Chor nicht erspart geblieben, bei den Untersuchungen zu den unsäglichen Fällen von Missbrauchsvorwürfen (Anm. d. Redaktion: Siehe unten Zusatzinformationen) in die Schlagzeilen zu geraten. Wenn es auch in gar keiner Weise die heutigen Mitglieder des Chores und die derzeit für sie Verantwortlichen trifft, es schmerzt dennoch.

Das heutige unbescholtene Management, allen voran Domkapellmeister Roland Bücher, darf also trotz der die Vergangenheit betreffenden Vorwürfe zu Recht nach vorn schauen. Ein Neuanfang ist gemacht und einer der ältesten Knabenchöre der Welt setzt sich durch sein Können ins richtige Bild.

Tickets zum Preise von 29 € können an der Abendkasse noch erworben werden.

Schüler zahlen nur 10 €.

>>Zusatzinformationen Missbrauchsfälle<<

Durch eine Rezension der Literaturzeitschrift.de wurde der OELDER ANZEIGER aufmerksam auf das im riva-Verlag erschienene Buch „Von der Kirche missbraucht“ von Alexander J.Probst. Ein ehemaliger und missbrauchter Regensburger Domspatz berichtet darin von seiner qualvollen Zeit hinter den dicken Mauern des katholischen Internats. Dieses stand unter der Verantwortung vom Domkapellmeister Georg Ratzinger, dem Bruder des späteren Papstes Benedikt XVI. Fast vierzig Jahre später wagt der Autor Probst den Schritt in die Öffentlichkeit, um Gerechtigkeit zu fordern.

Das Buch

Den Durst zur Gerechtigkeit untermauert Probst mit einem gut 200 Seiten starken Rückblick auf die Zeit des damaligen Internats und seinen bis heute andauernden Kampf. Probst erzählt darin über eine Zeit, in denen Kinder blutig geschlagen und erniedrigt wurden. Er beschreibt, wie Kinder mit Alkohol und Pornografie auf nachfolgende sexuelle Missbräuche vorbereitet wurden. Das Schicksal beschreibt Probst dabei so gut, dass man sehr nah an die Geschehnisse herangeführt wird.

Eigene Empfindungen beim Lesen

Die Geschichte lässt sich nicht leicht mit einem Glas Rotwein in der Hand lesen. Bei den Beschreibungen der Verbrechen schüttelt man ungläubig den Kopf. An Stellen, wo dem Autor nach beendeter Tat vom Täter Präfekt Corny Hafner ins Ohr geflüstert wird: „Du bist ein guter Junge.“, fällt man vom Glauben ab. Passagen, in denen Mitwisser tatenlos zusehen oder zuhören und schweigen, erzürnen einen. Ungefähr 200 Mal wird der Junge im Alter von acht bis elf Jahren missbraucht, während dieser einen Ausweg aus dieser Situation sucht.

Als Vater denkt man über die eigene Kindheit und über die eigenen Kinder nach.

Was wäre wenn, frage ich mich ?!

Preis & wo erhältlich

Das Buch gibt es für 19,99 € bei Amazon oder für 15,99 € als Kindle-Edition.

Übergriffe auch damals vor Ort im katholischen Münsterland?

Aber nicht nur in Regensburg wurde durch Aufsichtspersonen Hand an Kinder gelegt. Wie der ehemalige Oelder Ruprecht Frieling in einem Interview im Bayerischen Rundfunk vom 10. September 2017 berichtet, soll es auch direkt vor unserer Haustür Übergriffe durch die Kirche gegeben haben. In diesem Gespräch berichtet Frieling, wie Priester mit Hilfe von Glanzbildern Mitschüler ins Haus gelockt haben. Diese durften sich dann entkleiden, wurden mit »heiligen« Ölen gesalbt und durften vor den Herren posieren.

Hier die Aufzeichnung der Sendung:




Rückblick auf die Lesung von Ruprecht Frieling

Oelde-Stromberg im Juni 2017. Auf dem Kulturgut Haus Nottbeck fesselte Autor, Verleger, Blogger, Journalist, Talente-Förderer und netter Zeitgenosse Ruprecht Frieling vor kurzem an die 80 Zuhörer bei der Lesung aus seinem Buch „Der Bücherprinz“. Dabei ging es u.a. um ein großes Kapitel des Herforder Jaguar-Clubs, in dem sich der Oelder einst rumgetrieben hatte auf der Jagd nach Stars und Sternchen. Das Kulturgut Haus Nottbeck hat aktuell eine Ausstellung zur Erinnerung an den besagten Club (der OELDER ANZEIGER berichtete), an die die Lesung anknüpfte.

Der große Saal des Kulturgutes war sehr gut besucht und bis auf die letzte Reihe fast voll besetzt. Das Publikum war größtenteils vom älteren Semester, quasi Zeitzeugen der Beat-Zeit. Darunter mischten sich aber auch durchaus jüngere Interessenten, die etwas über die „alten“ Tage der Rock´n Roller erfahren wollten.

Nachdem Prof. Dr. Walter Gödden Ruprecht Frieling vorgestellt und einen kleinen Vorgeschmack auf den Jaguar-Club und dessen Besitzerin Carola Frauli gegeben hatte, war es an der Zeit für Ruprecht Frieling, auf die Bühne zu gehen.

Prof. Dr. Walter Gödden stellte Ruprecht vor

Mit roten spitzen Lackschuhen, lässig mit einem Fächer in der Hand und einem coolen T-Shirt mit der Aufschrift „Life Begins at 65“ ging er mit einem Applaus auf die Bühne.

Ruprecht begann den Vortrag mit einer lockeren Erzählrunde über sich selbst und seine Verbundenheit zu Oelde und auch die Flucht aus dem Nest in frühen Jahren nach Berlin.

Sex, Drugs, Rock´n Roll oder doch nur liebe Jungs?

Zum Beispiel hier das Model SL66

Er erzählte davon, wie er an den Wochenenden nach Herford in den Jaguar-Club fuhr. Den Eintritt in diesen entrichtete er, indem er von den Stars mit der Rolleiflex seines Großvaters Fotos machte und an die Club-Besitzerin abgab.

Der Musik-Fan traf dabei auf Größen wie die The Who, Cream oder auch Jimmy Hendrix, von dem er seinen ersten Joint erhielt.

Mit lautem Gelächter kommentierten die Zuhörer die Aussage von Frieling.

Leider sind an dem Abend alle meine Fotos daneben gegangen

Bild aus der Ausstellung „We want to make a revolution“

Eine bestimmte Einstellung der Oberlichter war das Geheimzeichen des Clubs, dass sich die Justiz auf den Weg zur Kontrolle machte. Viele flohen damals aus den Räumen und warteten ab, bis die Gesetzeshüter wieder von dannen zogen, um dann mit der Party weiterzumachen.

Aus heutiger Sicht und aus selbiger Erfahrung klingt das nach ganz normalen Jugendlichen, die der Gebetsmühle von Elternhaus und Kirche einfach entfliehen wollten. Diese – wenn man sie so nennen mag – Ausbrüche, sind mit heutigen Koma-Saufen-Exzessen oder Drogencocktails verglichen eher harmlos.

Erzählung, Lesung oder doch wieder Lesung?

Dr. Susanne Holterdorf war ebenfalls unter den Gästen

Beim Vortrag hat man direkt gemerkt, dass Frieling ein Mensch der Sprache und des Buches ist. Der Bücherprinz verstand es gut, bei seinem Vortrag erst aus dem Nähkästchen zu plaudern, um dann ohne Ecken und Kanten ins Buch überzugehen. Der Verfasser dieses Textes hat den fließenden Übergang in die Lesung im ersten Moment nicht bemerkt und war dadurch umso mehr überrascht, wie flüssig und ehrlich geschrieben das Buch herüberkam.

Heute voll normal, damals hart erkämpft

Vieles, was für die Jugendlichen der 70er und der darauffolgenden Geburtenjahre als selbstverständlich galt und gilt, wurde durch die Jahrgangsstufe Frieling & Co. hart ausgefochten. Parka, lange Haare, Peace-Zeichen auf den Jacken, musikalische und sexuelle Freiheit sowie einfach anders sein zu dürfen, verdanken wir der Generation Frieling oder auch dem ein oder anderen rebellischen Elternteil.

Geschichten von einer Zeit als Eltern die Haarlänge nachgemessen haben. Von einem Oelde, in dem den Kindern damals eingebläut wurde, die Gehwegseite zu wechseln, wenn ein »Evangelischer« den Weg kreuzte. Von einem Direktor des TMG´s, der an dem Jugendlichen Frieling ein öffentliches Exempel statuieren wollte wegen zu langer Haare. Von einem Oelde, in dem sich Eltern und andere Erzieher der Beat-Musik feindlich gegenüberstellten und diese als »Negermusik« oder ähnliches titulierten, wirken aus heutiger Sicht mehr als grotesk.

Stimmen aus dem Publikum

Herr Hans Schreiber vom Archiv für populäre Musik im Ruhrgebiet, welcher damals als Roadie für den Jaguar-Club arbeitete, erzählte, wie er die gerissene E-Saite von Jimmy Hendrix bekam. Oder wie er The Who erlebte, als diese ein Hotel auf den Kopf stellten.

Thomas Mense

Thomas Mense vom WDR gab dem Publikum reichlich Auskünfte über die Club-Betreiberin Carola Frauli. Er erzählte ebenfalls über die Band The Who, die gerne Gitarren, Schlagzeuge oder ganze Hotelzimmer demolierte. Frauli habe die Rocker damals nur mit einer List in einem Hotel unterbringen können.

Marlies und Ludger Bischoff empfanden den Abend als absolut spitze. Elisabeth und Norbert Löbbert waren selber damals mit dabei im Jaguar-Club und freuten sich über die gut geschilderten Erinnerungen aus dem Buch und die Erzählungen von Frieling.

Norbert und Elisabeth unterhielten sich angeregt nach der Lesung mit Marlies und Ludger

Andere jüngere Gäste haben wir ebenfalls über die alten Musiker und Bands schwärmen hören.

Oeldes stellv. Bürgermeister Rainer Fust, rechts im Bild im Gespräch mit Ruprecht Frieling und dem ehemaligen Beckumer Hans-Jürgen Neumeister, der jetzt in Essen lebt

Herr Bogdanski, Kulturmanager beim Kulturgut Haus Nottbeck, war sehr zufrieden mit der gut besuchten Veranstaltung.

Andere Berichte, Videos und Fotos von der Vorlesung

Die Autorin und Bloggerin Renate Hupfeld aus Hamm hat den Abend ebenfalls sehr gut mit einem Bericht festgehalten. Lichtinspektor Martin Janzik machte vom Bücherprinzen gebührende Fotos.

Der Bündener Dokumentarfilmer Norbert Kaase hielt den Vortrag in Bild und Ton fest. Den Film können Sie hier sehen.

Das Buch „Der Bücherprinz“

Wenn Sie als Leser des OELDER ANZEIGERS nun Lust bekommen haben auf ein Buch, welches sich u.a. auch mit einem Teil der Oelder Geschichte befasst, haben Sie hier die Möglichkeit, ein handsigniertes Exemplar vom Autor zu gewinnen. Ende August erfolgt die Auslosung.

Hierzu teilen und liken Sie bitte unseren Facebook-Link zu diesem Artikel. Leser, die Facebook nicht nutzen, senden eine E-Mail an die Redaktions-Adresse, um beim Gewinnspiel berücksichtigt zu werden.

Alle, die nicht gewinnen konnten, können hier „Der Bücherprinz“ erwerben.

 




Der ultimative Filmtipp: »Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger«

Allein auf hoher See: Richard Parker und Pi PatelFoto: ©Twentieth Century Fox

Allein auf hoher See: Richard Parker und Pi Patel
Foto: ©Twentieth Century Fox

Wird in jüngerer Zeit kaum noch ein aufwändig produzierter Film gezeigt, der nicht in 3-D-Technik gedreht wurde und beim Betrachten das Tragen entsprechender Brillen mit Polfiltern verlangt, beschert uns das neue Jahr eine 125 Minuten lange Erzählung in opulenten Bildern, bei der die Dreidimensionalität endlich einmal zur vollen Entfaltung kommt. »Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger« ist die kongeniale Umsetzung der gleichnamigen Romanvorlage, bei der die Technik endlich einmal so eingesetzt wird, dass der Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes den Tiger im Nacken spürt …

Ang Lee, Regisseur von Meisterwerken wie »Brokeback Mountain« (2005) und »Tiger & Dragon« (2000) hat es gewagt, den mehr als sieben Millionen Mal verkauften, als  schwer verfilmbar geltenden Roman von Yann Martel in ein überwältigendes Filmerlebnis zu verpacken. Dabei setzt er auch technisch neue Maßstäbe, wenn er Richard Parker, den Tiger, der mit dem kleinen Pi in einem Rettungsboot auf dem Ozean treibt, gestaltet.

Die Story des Films

Erzählt wird die Geschichte des indischen Schülers Piscine Molitor Patel, der seinen französischen Vornamen einem prächtigen Schwimmbad verdankt. Es dauert jedoch nicht lange, und der Geistesblitz des Bösen durchfährt einen seiner Mitschüler, der eines grauen Tages ruft: »He da kommt Pisser Patel«. Auf dem Haupte des Jungen lastet fortan eine Dornenkrone. Immer wieder wird er mit der Frage konfrontiert: »Ich muss mal. Wo ist denn hier für Pisser?«

Als Piscine auf die Oberschule wechselt, entschließt er sich zu einer Radikalkur. Der Unterricht beginnt, wie stets am ersten Schultag, mit dem Aufsagen der Namen. Als Piscine an der Reihe ist, springt er auf und läuft an die Tafel. Bevor der Lehrer etwas einwenden kann, greift er ein Stück Kreide und schreibt mit, was er sagt: »Ich heiße Piscine Molitor Patel, besser bekannt als …«, und er unterstreicht doppelt die ersten beiden Buchstaben seines Vornamen, »… Pi Patel«. Um es noch deutlicher zu machen, fügt er hinzu: »Pi = 3,14« und zeichnet einen großen Kreis, den er dann mit einem Strich durch die Mitte in zwei Hälften teilt, damit auch der Letzte begreift, auf welchen Grundsatz der Geometrie der Junge anspielt. So wird der »Pisser« zu Pi, und ein neues Leben beginnt für den jungen Mann.

Pi Patel wächst in einem Paradiesgarten auf, und bereits der Vorspann des Filmes macht das auf wundervolle Weise deutlich, indem er exotische Tiere paradieren lässt: Sein Vater ist Direktor eines gepflegten Zoologischen Gartens, der in der südindischen Stadt Pondicherry betrieben wird. Er erfährt viel über die verschiedenen Tiere und das aus Sicht der Zooleute gefährlichste aller Lebewesen: den Menschen. Im Zoobetrieb geht es darum, die Tiere an den Menschen zu gewöhnen und ihre natürliche Fluchtdistanz zu verringern, das ist der Abstand, den ein Tier zu seinem natürlichen Feind hält. Pi lernt, dass gesunde Zootiere nicht aus Hunger oder Mordlust angreifen, sondern weil der erforderliche Abstand zu ihnen unterschritten wird. Und er begreift die Rolle des Alphatieres: Wenn zwei Geschöpfe sich begegnen, wird derjenige, dem es gelingt, den anderen einzuschüchtern, als der Ranghöhere anerkannt, und zu einer solchen Rangentscheidung ist kein Kampf erforderlich, in manchen Fällen genügt eine Begegnung.

Diesem Wissen soll der junge Mann sein Leben verdanken. Denn die Familie entscheidet sich, mit Sack und Pack, einschließlich der meisten Tiere, von Indien nach Kanada auszuwandern. Die weite Reise erfolgt auf einem Überseedampfer, das indes bei Nacht und Nebel kentert und spurlos versinkt. Pi Patel überlebt das Inferno und flüchtet sich in ein Rettungsboot. Wie groß ist jedoch sein Schreck, als aus den Fluten weitere Überlebende auftauchen, die das Rettungsboot als ihre Insel ansehen: eine grässliche Tüpfelhyäne, ein Orang-Utan, ein Zebra und ein bengalischer Königstiger, der auf den Namen »Richard Parker« hört und eine Attraktion im Zoo war.

Die Überlebenden massakrieren sich bald gegenseitig, nur Pi Patel und Richard Parker bleiben zurück. Der Junge versucht anfangs, sich auf ein selbst gebasteltes Floß vor der Bestie zu flüchten. Doch dann beginnt er vorsichtig, seinen eigenen Bereich abzustecken, den das Tier schließlich akzeptiert. Er zähmt den Tiger, der ihm gehorcht, zumal er von ihm mit frisch geangelten Fischen gefüttert wird. Hilflos treiben sie im Ozean. Es beginnt eine Odyssee, die mit großer Anmut und sensiblem Einfühlungsvermögen erzählt wird, so dass der Zuschauer jede Phase des Zusammenlebens zwischen Mensch und Tier mitempfinden kann.

Magischer Realismus

»Schiffbruch mit Tiger« ist ein sowohl witziger wie auch abenteuerlicher Film mit philosophischem Tiefgang. Obwohl die Handlung zwischen permanenter Todesangst und listigen Überlebensstrategien pulst, enthält sie herrliche Szenen voller Komik und Humor. Die Story endet skurril, die Schiffbrüchigen entdecken ein seltsame, alles verschlingende Insel aus Algen und werden schließlich an Land und in ein neues Leben gespült.

Dabei wird die eigentliche Qualität der filmischen Umsetzung deutlich: Es ist magischer Realismus, der aus den Bildern spricht, eine fulminante Bildsprache, die zuletzt die durchaus berechtigte Frage aufkommen lässt, ob all die Geschehnisse tatsächlich stattgefunden haben oder nur der Phantasie eines außergewöhnlichen Jungen entsprungen sind …

 




Hörspiel zum Advent: »Zicke, zacke, Rentierkacke«

Ein kackendes Rentier spielt die Hauptrolle in Frielings amüsantem Weihnachts-Hörspiel.
Foto: © Internet-Buchverlag.de

Den Lesern des OELDER ANZEIGER präsentieren wir zum dritten Advent einen musikalischen Weihnachtseinkauf in Form eines Hörspiels von dem aus Oelde stammenden Autor Wilhelm Ruprecht Frieling. Sprecherin: LittleLilly, Wien. Regie: Marion Wolff, Deutsche Welle Köln. Technik: Jürgen Kuhn, Marin Kulinna

Viel Vergnügen: http://www.ruprechtfrieling.de/hoerspiel.html (Bitte Link anklicken)




Die wundersame Rückkehr des Bücherprinzen

Dass Oelde durchaus gute Autoren und Poeten hat, weiß sicherlich jeder. Da wäre z.B. Maria Bexten, die mit ihren Geschichten über Oelder Normalbürger, die die Herzen rühren, den Leser anspricht, Kantor Heribert Klein oder die Dichterin Marita Utlaut und etliche andere.

Dass es auch Autoren gibt, die in Oelde unter dem Ladentisch verkauft werden, wissen wir alle seit der „Wallraff-Affäre“ des Dr. Schmänk, der die Zensur bis ins Maximum kultivierte und Bücher aus dem Zugriffsbereich der Oelder Bürger nahm, indem er sie aus der Stadtbücherei entfernte. Wahrscheinlich wußte er selbst nicht, dass sie in der katholischen öffentlichen Bibliothek von Sankt Joseph noch auszuleihen waren …

Aber es gibt ja noch den Superlativ …

Da gibt es einen Oelder Autor, der in früher Jugend nach Berlin „ausgewandert“ ist, um dem Wehrdienst zu entgehen, das war damals schwer angesagt, und dort, nach einer ereignisreichen Jugend hier im Städtle, eine eindrucksvolle Karriere als Verleger und Buchautor hinlegte. Sein Name ist: Ruprecht Frieling – aka „Prinz Rupi“

Eben dieser Prinz Rupi hat in Oelde eine Wallraffiade der besonderen Art erlebt: Seine Bücher stehen wohl in der Stadtbücherei, aber man konnte sein Buch „Der Bücherprinz“ nur kurze Zeit in Oelde erhalten und musste dann auf Onlinedienste wie Amazon zurückgreifen, um seine Autobiographie lesen zu können.

In dem Buch geht es um sein Leben in Oelde und Berlin. Als Schulabbrecher wanderte er ins damalige Westberlin aus, gründete dort einen Verlag und fasste Fuß in der kulturellen Szene unserer Hauptstadt. Dies alles beschreibt er detailliert, gewürzt mit pikanten Kleinigkeiten aus dem Familienleben und mehr. Absolut lesenswert, nicht nur für jene, die diese Zeit mehr oder weniger aktiv miterlebt haben.

Aber die Krux ist einfach, dass man das Buch in einem der Oelder Buchläden nicht erhalten konnte, da der Autor sich durchaus kritisch über Oelde und dessen Spießbürgerlichkeit äussert und damit in den Augen einiger alteingesessener Poahlbürger „Oelde schlecht macht“. Das Buch war daraufhin in Oelde plötzlich „nicht mehr lieferbar“, so wurde  interessierten Kunden, die danach fragten, beschieden. Torsten Schwichtenhövel und viele andere Oelder mussten daraufhin auf den Versandhändler Amazon ausweichen, um das Buch bestellen zu können.

Durch die Facebook-Gruppe „Du bist Oelder, wenn …“ entstand inzwischen eine solche Nachfrage nach dem Buch, dass sich der Buchhandel in Oelde gezwungen sah, das Werk wieder in den Bestand aufzunehmen. Seitdem ist es auch in allen Buchhandlungen wieder erhältlich. Unabhängig von der Druckausgabe gibt es den „Bücherprinz“ als E-Book für € 3,99.

Wir Oelder lassen uns nicht bevormunden. Wie im Fall Wallraff war auch hier die öffentliche Meinung wieder stärker als eine Indoktrination von oben.

Ruprecht Frieling
Der Bücherprinz oder: Wie ich Verleger wurde.
Eine Lebensabschnittsgeschichte
ISBN-13: 978-3941286501