Was wird aus dem »Oelde-Tag« oder: Wie die »Glocke« ihr Monopol missbraucht

Ursprünglich im April sollte ein »Oelde-Tag« stattfinden, der jedoch aufgrund des Rückzuges wichtiger Partner verschoben werden muss. Der OELDER ANZEIGER sprach mit Martin Bischoff, einem der Motoren der großen Party.

 Ruprecht Frieling: Martin, Du hast vor einigen Monaten die Facebook-Gruppe »Wir sind Oelder« ins Leben gerufen. Diese Initiative war so erfolgreich, dass jetzt bereits ein Zehntel der Bevölkerung der Stadt beigetreten ist. Nun wurde aus diesem Netzwerk heraus die Idee entwickelt, eine große Party, den »Oelde-Tag« zu veranstalten. Was ist darunter zu verstehen? 

Martin Bischoff: Etwa eine Woche nach Gründung der Gruppe kam die Frage nach einer Party auf und stieß auf viel Interesse. Daraufhin hat an einem Sonntag Herr Ludger Junkerkalefeld, Geschäftsführer von Forum Oelde, angerufen und uns Unterstützung zugesagt. Darauf gab es ein erstes Treffen mit rund 20 Teilnehmern. Es bildete sich das »Forum-Team«, bestehend aus mir, Torsten Schwichtenhövel, Jan Burwinkel und Marita Brormann. Wir nahmen Kontakt zum Forum auf und haben uns getroffen, um zunächst mal die Fronten zu klären und den Rahmen abzustecken.

RF: Eine Großveranstaltung ist eine kostspielige Sache …

MB: Es kristallisierte sich heraus, dass wir uns erstens auf die Waldbühne beschränken und es zweitens, insbesondere wegen des notwendigen Sicherheitskonzeptes, kostspielig werden wird. Drittens, dass wir uns einen Verein als Dach suchen wollten, um Spendenquittungen auszustellen zu können. Dafür hatten wir den Oelder Heimatverein auserkoren, der uns auch konkrete Unterstützung zusagte.

RF: Wie ging es dann weiter?

MB: Ein zweites Plenum fand in den Räumen des Heimatvereins statt. Es war auch ein Vertreter der »Glocke« dabei, um ausführlich zu berichten. Die »Glocke«-Verlagsleitung hatte ein Medienpaket in Aussicht gestellt. Dazu sollten Vorverkauf, ausführliche Berichterstattung und eine ganze Seite Berichterstattung gehören.

RF: Dann erschien erstmals der OELDER ANZEIGER und brachte eine Lawine ins Rollen, denn das passte einigen Herrschaften nicht.

MB: Als der OELDER ANZEIGER erschien, rotierte die »Glocke«. Die haben wohl riesigen Schiss bekommen, dass außerhalb ihrer Kontrolle Informationen und Meinungen verbreitet werden. So wurde der redaktionell Verantwortliche des OELDER ANZEIGER bei der »Glocke«-Verlagsleitung vorgeladen und sollte sich rechtfertigen.

RF: Du willst sagen, dass die »Glocke« ihre Unterstützung zurückzog, weil engagierte Bürgerjournalisten den OELDER ANZEIGER ins Leben riefen, der formal mit der Facebook-Gruppe überhaupt nichts zu tun hat?

MB: Diesen Eindruck macht es zumindest. Die »Glocke« kündigte uns ihre Unterstützung und das zugesagte Medienpaket für den »Oelde-Tag«. Es hieß lapidar: »Die Oelder Gruppe steht unter Beobachtung«.

RF: Moment mal: Der OELDER ANZEIGER hat mit der »Glocke« nicht das Geringste zu tun und strebt mit seinen paar tausend Lesern auch nicht nach der Weltherrschaft. Es handelt sich um ein Online-Medium, das zwar an Geschwindigkeit der Druckerpresse überlegen ist, aber doch gänzlich andere Themen und Genres pflegt. Da gibt es doch keinen Wettbewerb.

MB: Die »Glocke« sieht das offenbar anders …

RF: Aber der Oelder Heimatverein blieb Euch treu?

MB: Wir hatten darauf einen Termin mit Hans Rochol, dem Vorsitzenden des Heimatvereins. Der zog seine Unterstützung zurück, weil er die »Glocke« als Medium braucht und einen Konflikt fürchtet. Somit war eine wichtige Basis, die wir benötigten, um die finanzielle Seite abzusichern, mit einem Male verschwunden.

RF: Meinungsmonopol und Medienmacht wird missbraucht, um Kulturpolitik zu betreiben? Das ist in einer aufgeklärten Demokratie wohl nur noch in einem Einzeitungskreis wie Oelde vorstellbar. 

MB: Wir waren alle schockiert über diese ablehnend-feindliche Reaktion. Nur gut, dass es das Internet gibt, über das wir unabhängig informieren können.

RF: Damit bleibt als von den Meinungsmachern unabhängiger Partner das Forum Oelde. Es handelt sich um einen Eigenbetrieb der Stadt Oelde. Gegenstand des Betriebes ist die Planung und Durchführung von kulturellen Veranstaltungen in der Stadt Oelde, von Maßnahmen und Veranstaltungen des Stadtmarketings, die Förderung des Fremdenverkehrs, die nachhaltige Pflege und Entwicklung des Vierjahreszeitenparks – dem Kernstück der seinerzeitigen  Landesgartenschau 2001 -, sowie die Fortsetzung des Agenda-Prozesses. Also genau der richtige Partner für ein Kulturevent.

MB: Das Forum Oelde hat uns immer Unterstützung zugesagt und sich auch nicht zurückgezogen. Wir bauen darauf, dass wir hier weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit hoffen können. Das sind eher die geringsten Sorgen. Bislang standen uns das Forum und insbesondere Herr Junkerkalefeld mit gutem Rat zur Seite.

RF: Wie geht es jetzt konkret weiter? Wie sind die nächsten Schritte?

MB: Jetzt muss nach Alternativen gesucht werden. Da ohne den Heimatverein als unserem ersten Ansprechpartner das schützende Dach für die Feier erst mal eingestürzt ist, können wir entweder einen anderen Partner suchen oder aber eine weniger kostenintensive Veranstaltung planen. In Anbetracht der Tatsache, dass jetzt natürlich schon viel Zeit untätig vergangen ist, steht der 27. April nachvollziehbar arg auf der Kippe, so dass die Feier wahrscheinlich nach hinten verlegt werden muss. Zeitnah werden sich die übrig geblieben Planer treffen, um diese Alternativen auszuloten. Dann geht es endlich weiter.

RF: Und die »Glocke«?

MB: Sollte „Die Glocke“ Informationen zu der Veranstaltung wünschen, stehe ich ihr gerne zur Verfügung.

 

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6 thoughts on “Was wird aus dem »Oelde-Tag« oder: Wie die »Glocke« ihr Monopol missbraucht

  1. Kleines Update: Ich sollte mich nicht Rechtfertigen.
    Mir wurden eher die Gründe klar gemacht, warum die Medienpartnerschaft entzogen wurde. Allerdings war auch keine Toleranz und eine Kompromissbereitschaft von 0% vorhanden, die das Gespräch ziemlich Wertlos gemacht haben.

  2. Ich finde es einfach traurig, daß Medien wie „Die Glocke“ in ihrem Kampf um das wirtschaftliche Überleben gegen das Internet (was sie sowieso in absehbarer Zeit nicht gewinnen können!) die Vorfreude tausender Oelder auf ein super Festival unter Gleichgesinnten so mirnichtsdirnichts zunichte machen wollen! Fritz Gehring hätte das vor ca. 40 Jahren, als ich in dem Verein noch gearbeitet habe, bestimmt anders und besser gehandelt!!! Wo ist denn die Zukunftsperspektive der Verantwortlichen von heute? Anstatt uns, die Oelder, zu unterstützen, wird alles einfach boykottiert….und wundert sich, dass die Anzahl der Zeitungsabonnenten stetig abnimmt….

  3. Der „Oelder Anzeiger“ hat am 13. Febraur 2013 online unter der Überschrift „Was wird aus dem Oelde-Tag, oder: Wie die Glocke ihr Monopol missbraucht“ ein Interview mit Martin Bischoff veröffentlicht. Dazu stellen wir als Verlag E. Holterdorf/“Die Glocke“ Folgendes fest:

    1. Herr Bischoff behauptet, die „Glocke“-Verlagsleitung habe ein Medienpaket in Aussicht gestellt, zu dem der Vorverkauf, eine ausführliche Berichterstattung und eine ganze Seite Berichterstattung gehörten. Diese Aussage ist falsch. Die Chefredaktion hat zu Beginn der Planungen lediglich angeboten, im Rahmen einer Medienpartnerschaft den Ticketverkauf zu unterstützen. Eine Berichterstattung ist für den Verlag niemals Teil einer Medienpartnerschaft, sondern journalistisches Selbstverständnis. Eine journalistische Ankündigung der Veranstaltung in der „Glocke“ ist Herrn Bischoff schriftlich zugesichert worden.
    2. Herr Bischoff behauptet, der redaktionell Verantwortliche des Oelder Anzeigers sei von der „Glocke“-Verlagsleitung vorgeladen worden und habe sich dort rechtfertigen sollen. Diese Aussage ist falsch. Die Chefredaktion der „Glocke“ hat Herrn Jorrit Müller am 16. November telefonisch zu einem Gespräch eingeladen, das am 18. November im Verlagshaus stattfand. In diesem Gespräch ist Herr Müller durch den Stellvertretenden Chefredakteur Dirk Baldus darauf hingewiesen worden, dass „Die Glocke“ lediglich den in einer Medienpartnerschaft in Aussicht gestellten Ticketverkauf nicht übernehmen wird, aber dennoch den „Oelder Tag“ journalistisch begleiten werde.
    3. Herr Bischoff behauptet im Text des „Oelder Anzeigers“, dass die „Glocke“ den Planern des Oelder Tages ihre Unterstützung kündigte. Diese Aussage ist falsch. Es gab keine verbindliche und von beiden Seiten unterschriebene Vereinbarung über eine Zusammenarbeit, die hätte gekündigt werden können.
    4. Herr Bischoff zitiert in seinem Interview aus dem Gespräch zwischen dem Stellvertretenden Chefredakteur Herrn Baldus und Herrn Müller, an dem er nicht teilgenommen hat, Herrn Baldus mit den Worten „Die Oelder Gruppe steht unter Beobachtung“. Dieses Zitat hat es nicht gegeben, die Aussage von Herrn Bischoff ist falsch. Herr Baldus hat lediglich gesagt, dass „Die Glocke“ die Anfänge des Bürgerjournalismus in Oelde (gemeint war der „Oelder Anzeiger“ und nicht die Facebook-Gruppe „Du bist Oelder, wenn …“) „mit gespannter Neugier beobachtet“.

    gez: i.V. Dirk Baldus, Stv. Chefredakteur „Die Glocke“,
    Engelbert-Holterdorf-Straße 4/6, 59302 Oelde

  4. Schade. Naja: Wäre ja auch ZU schön gewesen, wenn die Sache ohne Reibereien über die Bühne gegangen wäre…

  5. Meinungsvielfalt ist ja willkommen, richtig? Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint: Die obige Annahme, der Oelder Anzeiger stelle keinerlei Konkurrenz zur Glocke dar, ist meiner Meinung nach etwas zu kurz gegriffen. Eine immer breiter werdende Altersgruppe nutzt Online-Medien, das Interesse an Interaktion zwischen Lesern und Redakteuren steigt, und lokal-authentische Informationen machen Bürger jeder Stadt neugierig wie eh und je. Wie so viele andere Printmedien auch, tut sich die Glocke schwer damit dieses neue Leserprofil effektiv zu adressieren. Das weiß die Glocke, und das wisst auch ihr vom Oelder Anzeiger (denn deshalb gibt es euch letztlich ja). Glocke-Kunden, die Interesse an dieser Homepage finden, überlegen sich bei der nächsten Abonnementverlängerung vielleicht zweimal, ob es sich nicht lohnt, lokale Themen for-free und mit „überlegener Geschwindigkeit“ (Zitat s.o.) beim Oelder Anzeiger abzurufen und alles weitere auf z.B. Spiegel-Online in Erfahrung zu bringen. Die Tatsache, dass der Oelder Anzeiger ehrenamtlich betrieben wird spielt in diesem Fall keine Rolle, so wünschenswert es anders auch wäre.
    Das Wort „Medienmonopol“ ist schnell in den Raum geworfen, verständlich, aber würde nicht jeder Kaufmann, Friseur, Tankstellenbesitzer, Buchladeninhaber in solch einer Situation ähnlich zurückhaltend reagieren? Natürlich ist es schade, dass die Glocke bei der Kommunikation des Oelder Tages nicht mehr mit allen Mitteln mitzieht (doch immerhin haben sie zugesagt Bericht zu erstatten), aus Geschäftssicht finde ich die Zurückhaltung der Glocke jedoch nicht unnachvollziehbar. Darüberhinaus: „Glocke-bashing“ ist einfach vollbracht, ich gebe jedoch zu bedenken, dass die Glocke in ihrer Vergangenheit nicht wenig zum kulturellen Leben in Oelde und Umgebung beigetragen hat. Wie heißt es im Englischen: „give credit, where credit is due“. Ich fände es cool, wenn das auch die Maxime des Oelder Anzeigers ist und Scharmützel mit der Glocke die Seltenheit sein werden….
    Und nein: ich arbeite nicht für die Glocke (und das hab ich auch noch nie) Beste Grüße 🙂

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