Rock´n Roll Made in Oelde

Harte Riffs und rockige Stimmen, coole Gitarren und fetzige Beats! Das Synonym für die Oelder COLORADOS REVIVAL BAND. Lange bevor MTV über das TV Bilder ausstrahlte, begannen die Oelder Rock´n Roller mit der Musik. Das ist nun genau 50 Jahre her, als Richy Brüggenkamp, Hubi Lückemeier und Theo Westarp die Idee hatten, eine Band zu gründen. So zum Spaß halt, laut Bandleader Richy Brüggenkamp.

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von links Richy Brüggenkamp Bernhard B. Hüby Lückemeier, Theo Westarp und Anton Zurwonne.

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1968 im Haus Hülsmann in Herzebrock von links: Theo Westarp, Richy, Bernhard B. und Anton Zurwonne. Auf dem Foto fehlt Drummer Hüby Lückemeier.

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Theo Druffel in ganz jungen Jahren

Fünfzig Jahre ist eine lange Zeit, in der Ehe nennt man es Goldhochzeit, andere sagen einfach ein halbes Jahrhundert! Der OELDER ANZEIGER nennt es den Inbegriff zur Leidenschaft der Musik.

Es war damals eine Zeit, in der einige Bands in Oelde das Licht der Welt erblickten.

Unter anderem waren die Little Sharks mit Burckhardt Heringhoff (verstorben), Peter und Erich Lobemeier sowie dem heutigen Fotografen der COLORADOS Dieter Probst am Start.

Die Red Kings waren besetzt mit Wolfgang Dietrich, Herbert Kureditsch und zwei weiteren Musikern deren Namen wir leider nicht mehr in Erfahrung bringen konnten und zu guter Letzt die Band The Souls.

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Heute das Cocktailhaus Mosquito, damals die Brauerei und Probenkeller der Souls
© Schwichtenhövel

Diese Band sorgte damals auch stets für volle Säle. Der ehemalige Musiker Norbert Löbbert von den Little Sharks berichtete dem OELDER ANZEIGER wie die SOULS damals in der alten Brauerei, dem heutigen Cocktailshaus Mosquito, probten.

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Wo heute monoton die Kühllanlage des Biers zu hören ist, drangen damals die Probenklänge aus der Kellerluke hervor
© Schwichtenhövel

Die einstige Vermieterin hatte für die jungen Musiker ein „offenes“ Ohr und es wurde damals ein Mietsvertrag aufgelegt. Die Musiker durften den Keller mit der extrem steilen Treppe ins Gewölbe nutzen. Die Sache hatte nur einen Haken, der Keller hatte keinen Strom. Also wurden zu jeder Probe die Kabel durch das Kellerfenster verlegt, damit der Saft zum Spielen da war. Dieses Kabel wurde jedoch mehrfach von entschiedenen Gegnern der wilden Beatmusik, die aus den Kellerritzen drangen, zerschnitten, um dem Treiben ein Ende zu machen.

In verschiedenen, wie es damals hieß, Tanzlokalen ließen die Oelder Rocker der COLORADOS die Luft in den  Sälen brennen. Sie spielten unter anderem im Haus Hülsmann in Herzebrock, das seinerzeit das weit und breit bekannteste Tanzlokal im Münsterland war. Unter anderem spielten hier auch viele prominente Bands, so wie Schlagerstars der 60er und 70er Jahre.

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Hübi Lückemeier, Drums und Gesang bei der Arbeit

Ebenfalls kann sich Norbert Löbbert gut daran erinnern, wie diese dort in Herzebrock mehrfach aufgetreten sind. Es gab damals kaum ein Lokal, wo junge Leute hingehen konnten, erzählte er dem OELDER ANZEIGER. Somit waren Tanzlokale wie dieses stets gerammelt voll. Eine Stereoanlage hatten die wenigstens und wenn ja, war es schwer an die Platten zu kommen. Die meisten jungen Menschen wollten tanzen und den Hauch von Freiheit leben. Das Ganze konnte man bekommen, wenn man den Jungs zuhörte. Die COLORADOS haben die Songs gespielt, die uns alles vergessen ließ.

1972 gönnten sich die Musiker eine Pause aus beruflichen und familiären Gründen. Die Musik dabei haben Sie aber nie aus dem Auge verloren. 30 Jahre später, 2001, formierten Sie sich wieder zusammen und holten den Bassisten Theo Druffel dazu. Das erste Konzert nach der langen Pause wurde von weit über 1.000 Rock´n Roll Freunde besucht.

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Theo Westarp, Riochy Brüggenkamp und Theo Druffel geben Gas !

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Richy Brüggenkamp, Lead Guitar, Saxophon und Gesang

Richy Brüggenkamp erzählte dem OELDER ANZEIGER, wie er damals angefangen hatte. Bewaffnet mit einer Handvoll gelernten Akkorden ging er als 14-jähriger erstmalig auf eine Bühne. Man glaubte, man sei der KING, weil man ein paar Griffe drauf hatte, meinte Richy, aber am Bühnenrand ging ihm derbe die Flatter. Er ging raus auf die Bühne und spielte ein paar Songs. Aber nach 20 Sekunden war er dermaßen fertig, das ser wieder von der Bühne runter gehen musste.

Kaum zu glauben, wenn man die COLORADOS heute auf der Bühne stehen sieht. 2.000 Fans standen an der Bühne beim „Gütersloher Sommer“ im Mohns Park. Ein Riesenandrang gab es auch beim 40. Jubiläum im Oelder Bürgerhaus. Das 45. begingen Sie im RED BOWL Oelde.

Auf Johnny Cashs Spuren waren die Musiker letztes Jahr beim Sommerfest in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede. Herr Fred Schütze, Justizvollzugsbeamter, erinnert sich mit Freude an den Auftritt der Oelder Rocker. Es war ein Highlight für die Insassen, dass die Colorados hier gerockt haben. Dabei durften Inhaftierte mit auf die Bühne und mit den Colorados mitspielen. At Folsum Prison lässt grüßen.

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Generell sind die Musiker für jeden wohltätigen Zweck stets zu haben. Richy Brüggenkamp erklärte dem OELDER ANZEIGER, dass die COLORADOS auf der Sonnenseite des Lebens stehen und gerne anderen Menschen davon etwas abgeben.

Am 8. Juni 2013 ist es dann soweit und die Band hat das halbe Jahrhundert geknackt. Dies feiern Sie auf der großen Bühne auf dem Marktplatz in Oelde. Die Show beginnt nach dem Citylauf um ca. 19:00 Uhr mit der bekannten Lippstädter Rock´n Roll Band ,,Rockin Rebells„, um die Zuschauer auf Betriebstemperatur zu spielen. Danach gehen die Lokalmatadoren an den Start und werden dem Publikum unter anderem bekannte Hits spielen und auch Ihr neues Oelder Lied! Einen Vorgeschmack kann man bereits hier auf dem YOUTUBE-Video bekommen.

Wer bis zum 8. Juni nicht mehr warten kann, sollte sich in seinem Kalender ganz DICK den 6. Juni ankreuzen! RADIO WAF berichtet in einem Special von 21:00 – 22:00 über die COLORADOS.

Eventuell kann der OELDER ANZEIGER noch über ein weiteres Highlight berichten. Sofern das Paket wasserdicht ist, erfahren Sie es.

© 3 Bilder mit Zaun und Pavillion JVA Bielefeld-Brakwede, alle anderen COLORADOS




Wer komponierte »Das Oelder Lied«?

Jeder kennt den Ohrwurm »Das Oelder Lied«. Aber wer hat es geschaffen? – Der OELDER ANZEIGER stieg in die Archive: Den Song schrieb Arnold Menne. Kennt jemand diesen Liedermacher?

Arnold Menne erblickte 1880 in dem damals bereits tausendjährigen Herzebrock das Licht der Welt.  Mit 23 Jahren kam er 1903 nach Oelde und unterrichtete als Lehrer an der katholischen Overbergschule. Damals besuchten Jungen und Mädchen die Klassen noch gemeinsam, ab 1939 wurden die Geschlechter streng getrennt unterrichtet.

Menne übernahm auch den Job des Organisten an der Johanneskirche. Im August 1914 wurde der Pädagoge erst kommissarisch und ab Mai 1915 offiziell mit der Leitung des 1887 gegründeten Oelder Kirchenchors »Capella Joannae« betraut. Zusätzlich dirigierte er den lokalen Männergesangsverein von 1848.

In die Zeit seines Dirigats fiel eine tiefe Veränderung des Kirchenchors: Der Knabenchor wurde durch Damen ersetzt, die disziplinierter und sangesfreudiger waren. Zu jener Zeit muss dieser Schritt einer kleinen Revolution im stockkonservativen Oelde gleich gekommen sein.

Das bekannteste Werk, das Arnold Menne der Stadt Oelde schenkte, heißt »Das Oelder Lied«. Doch der vielseitige Schulmann schuf auch noch weitere Lieder, er schrieb sogar Theaterstücke und kümmerte sich um uralte Traditionen wie den Pfingstenkranz. Sein Choral »Großer Gott« für vierstimmigen gemischten und für vierstimmigen Männerchor wird heute noch gelegentlich dargeboten.

Arnold Menne starb am 12. August 1953 im Alter von 73 Jahren. Im historischen Adressbuch von Oelde aus dem Jahre 1934 ist als seine letzte Wohnadresse »Zum Bahnhof 1« vermerkt. Der Lehrer und Kirchenmusiker wurde auf dem Oelder Friedhof beigesetzt. Sein »Oelder Lied« überdauerte ihn und erinnert an sein Werk.

Nachtrag

Robert Kramer von »Kramers Mühle«, der heute in Luzern lebt, meldete sich per Mail auf diesen Artikel. Er schreibt dem OELDER ANZEIGER mit vielen lieben Grüßen an die Heimat:

Arnold Menne hat das Lied gedichtet und die Musik dazu geschrieben. Das war aber nicht das einzige Lied. Als der Rosengarten im Oelder Park in den 50er Jahren eingeweiht wurde, komponierte er dazu das Lied \“Komm, wir gehen in den Rosengarten….\“ Dort müsste auch sein Denkmal stehen zu Ehren des Heimatdichters. Ich kann Ihnen das deshalb genau sagen, da in den Jahren 1944-1953 Arnold Menne mein  Klavier- und Orgellehrer war.  

Noch ein Hinweis: Ich war Schüler der  Overbergschule von 1942-1946. Schon in dieser Zeit waren Jungen und Mädchen getrennt. Die Mädchen hatten ihre eigene Schule auf dem Platz vor Café Wiegard.

Menne hat auch einen flotten Karnevalsschlager komponiert und gedichtet. Dieser wurde immer bei den Karnevalsfesten des MGV 1848 Oelde vorgetragen: 

               Oelde, Paris und London –

               Auguste, da hälste die Puste an.

               Oelde, Paris und London,

               das ist doch das herrlichste Dreigespann.

               Wer Oelde, Paris und London nicht kennt,

               der hat von der Welt nichts gesehn.