Haus Nottbeck entführt Besucher auf musikalische Zeitreise

Das Kulturgut Haus Nottbeck lockt mit der Ausstellung „We want to make a revolution“ den Besucher auf eine musikalische Zeitreise der 60er/70er Jahre nach Herford in den damaligen Jaguar-Club. Dort spielten damals auch Oelder Musiker. Ein Grund mehr, an der Eröffnung am letzten Sonntag, den 14. Mai 2017, teilzunehmen.

Die Ausstellung wurde von Herrn Prof. Dr. Walter Gödden mit einer kundigen Einleitung begonnen. Er berichtete, wie der Lebenslauf einer jungen Sekretärin beim Herforder Finanzamt eine plötzliche Wende nahm. Carola Frauli, Mutter der Musikfreaks Axel und Harald, ebnete den Weg der Rock- und Beat- Musik durch den Abschluss eines Pachtvertrages des ehemaligen Herforder Schützenhofes. In diesem, so erzählte Gödden, gründeten die Söhne die Band „The Jaguars“, die durchaus erfolgreich zunächst in der Region und später sogar im Vorprogramm der »Kinks«, im Star-Club Hamburg und in Fernseh- und Hörfunksendungen auftraten.

Welche Mutter hätte so einen Enthusiasmus schon stoppen wollen?

Prof. Dr. Walter Gödden (Leiter Museum für Westfälische Literatur), Martin Brockschnieder (Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost), Julia Schmilgun, Elke Brunegraf (Ausstellungsgestalterinnen), Christoph Lauer (Stadtarchiv Herford).

Prof. Dr. Walter Gödden (Leiter Museum für Westfälische Literatur), Martin Brockschnieder (Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost und Sponsor), Julia Schmilgun, Elke Brunegraf (Ausstellungsgestalterinnen), Christoph Lauer (Stadtarchiv Herford).

Musikalisch eiferten die JAGUARS Cliff Richard, The Shadows und Elvis Presley nach. Außerdem coverten sie die neuesten Stücke der Beatles-Songs, bis die Band mit der Einberufung zum Wehrdienst auseinanderbrach. Die Band geriet bald in Vergessenheit.

Ganz im Gegensatz zu den Konzerten im Herforder Schützenhof und dem, was später daraus wurde. Die Lokalität, die immerhin Platz für 2.000 Besucher bot, war bald Teil eines offensichtlich gut funktionierenden OWL-Rock-Zirkus. Man kooperierte mit der Eisenhütte Bielefeld, dem Bielefelder Star-Club und bald auch mit dem renommierten Star-Club in Hamburg. Das bedeutete, Bands der Spitzenklasse kamen in den Jaguar-Club. Der WDR kam mit seinem Ü-Wagen und produzierte 1965 die ersten Sendungen aus dem Club. Betreiberin Carola Frauli: „Von dem Moment an zählten Reporter der überregionalen Presse und bekannter Musikzeitschriften wie „O.K.“ und „Bravo“, Vertreter der amerikanischen Aberbach Musik-Verlage in Hamburg und viele Prominente aus dem Show-Business zu unseren Stammgästen.“

Auch mit Radio Bremen kam es zu einer Zusammenarbeit. Viele Bands machten unmittelbar nach ihrem „Beat Club“- Auftritt Station in Herford. „Oft aber kamen Gruppen auch von sich auf uns zu“, so Frauli weiter.

Was 1964 hoffnungsreich begonnen hatte, endete im Oktober 1965 mit einer Kündigung. Der neue Pächter des Schützenhofes lehnte Rockkonzerte rigoros ab. Selbst der nachweislich gute Getränkeumsatz konnte ihn nicht umstimmen. Er legte Wert auf eine gepflegte Atmosphäre, und er vermietete den Saal lieber für Geflügelausstellungen.

Frauli: „Wir mussten also schnellstmöglich einen neuen Veranstaltungsort finden“. Und der war bald gefunden – das ehemalige Lichtspieltheater „Scala“ in der Mindener Straße 38 in Herford. Dank der Spontaneität und Einsatzbereitschaft zahlreicher junger Mitarbeiter dauerte es nicht lange, bis sich das alte Kino in einen modernen Beat Club verwandelt hatte. Im Januar 1966 war die Eröffnung.

Mit diesem Auszug aus der noch viel tiefer werdenden Geschichte zum Jaguar-Club in Herford eröffnete Professor Dr. Gödden die Ausstellung. Den Besucher erwarten mehrere Vitrinen, in denen Originalschreiben von Ämtern liegen, die mit Verwarnungen und Bußgeldern drohten, weil unter anderem 14- bis 15-jährige in dem Club rauchten und Alkohol konsumierten.  Man kann original Belege von Gagen sehen. Unter anderem waren die damals noch unbekannten »Scorpions« für eine Gage von zweihundertfünfzig Mark am 10.4.1967 bezahlt worden. Ebenso unglaublich wirkt es, wenn für den Eintritt von Jimi Hendrix 8 DM und für The Who 12 DM genommen wurden.

Weiter sieht man in der Ausstellung eine große Wand mit alten Veranstaltungsplakaten und einen Schallplatten-Cover-Teppich. Die Ausstellung spricht auch das politische kritische Geschehen seiner Zeit an. Schülerzeitungen aus der damaligen Zeit stehen aus und man bekommt einen Eindruck darüber, wie schwer es sein gewesen sein muss, seine Haare lang zu tragen.

Die Besucher Carsten Engelke und Roland Mikosch diskutieren über die alten Platten-Cover

Die Ausstellung im Haus Nottbeck ist vom 14.05.2017 bis zum 09.07.2017 zu sehen.

Adresse:

Druck von der Stadt

Landrat-Predeick-Allee 1, 59302 Oelde

Tel.: 02529 945590. Fax.: 02529 945591

www.kulturgut-nottbeck.de

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